Liebe Nußbächerinnen, liebe Nußbächer, liebe Leser

 

unseres Nußblattes!

 

 

Wenn der Herbstwind die goldenen Blätter von den Bäumen weht, wird es Zeit, sich Gedanken über den Inhalt unseres Nußblattes zu machen. Es gab heuer die Anregung, dass sich der Vorstand unserer HOG zu einer Besprechung zwecks Jahresrückblicks trifft, doch letztendlich wurde dieser Vorschlag in eine sehr gute Telefonkonferenz abgeändert.

 

Seit März 2020 fand in unseren siebenbürgischen Vereinen kein Kulturleben mehr statt, so wie wir es aus alter Tradition kennen. Durch die Einschränkungen, die die Pandemie mit sich brachte, litt unsere Gemeinschaft. Das kulturelle Leben verlagerte sich ins Internet, in die virtuelle Welt, in der die Jungen besser zurechtkommen. Für die ältere Generation, die am sächsischen Gemeinschaftsleben immer mit viel Interesse und Herzblut teilnahm, ist das leider äußerst ungewohnt und durch fehlende technische Ausrüstung auch schwer zugänglich.

 

Diese Tatsache zog sich fast durch das ganze Jahr 2021. Lange haben wir gezögert und uns mit den Zuständigen vom EBZ Hesselberg beraten, das Risiko wollten die Wenigsten eingehen und das 18. HOG Treffen wurde auf den 07.10. bis 09.10.2022 verschoben, das einzige Wochenende, an dem es noch freie Kapazitäten gab.

 

Bei unserem telefonischen Gespräch am 06.11.2021 fiel es uns besonders schwer, Themen für unser Nußblatt Nr. 34 /2021 zu finden. Es gab keine Ereignisse in unserer Heimatortsgemeinschaft! Wir griffen eine fast unlesbare Kopie eines Zeitungsabschnitts aus der ehemaligen Kronstädter Zeitung über Nußbach auf, die in mühevoller Arbeit umgeschrieben wurde. Es ist ein Einblick in das Gemeinschaftsleben, das sich in der Gemeinde vor genau 100 Jahren abspielte. Ein Bericht über unsere Glocken, die Ordnung zum Läuten und die damit verbundenen Gebete, so auch eine Beschreibung über Sehnsuchtsorte aus der Umgebung von Nußbach, wurden uns geliefert.

 

Während der zwangsläufigen Ausgangssperre konnten wir unseren HOG-Mitgliedern bei der Beschaffung von Unterlagen und der Antragstellung für die von der rumänischen Regierung zugesagten Entschädigung helfen. Betroffen sind ehemalige Deportierte nach Russland, ihre Nachkommen sowie die 1952 Zwangsevakuierten in den ungarischen Teil Siebenbürgens oder die rumänische Tiefebene, den "Baragan".

 

Der Spätsommer und der Herbst 2021 brachte uns einige Freiheiten zurück. Man merkt eben erst dann, was man hat, wenn man es plötzlich nicht mehr hat. Um diese Erfahrung wurden wir reicher! Man durfte wieder reisen und erfreut hörte man sehr oft den Stoßseufzer: Endlich wieder Urlaub! Viele von uns verbrachten Urlaubstage in Nußbach, in Erholungsgebieten, unternahmen Fernreisen und genossen das Meer und die Bergwelt im In- und Ausland.

 

Zusammen mit Ehrenamtlichen des Landesverbands Bayern des Verbandes der Siebenbürger Sachsen beteiligten sich Nußbächer Verbandsmitglieder an einer Begegnungsreise mit Deutschen des Baltikums, eine Fahrt ebenfalls im Nußblatt beschrieben. Im Verband der Siebenbürger Sachsen sowie im HOG Verband wurden Tagungen mit Wahlen nachgeholt. In die entsprechenden Gremien wurden auch ehrenamtliche Mitarbeiter der HOG Nußbach gewählt. Erstmals besuchte ein Nußbächer Jugendvertreter eine HOG Verbandstagung und er schildert in den nachfolgenden Seiten seine Eindrücke.

 

Der Herbst brachte eine Verschlimmerung der Covid19/Corona-Situation in Rumänien mit sich, dennoch feierte die Kirchengemeinde in Nußbach das Erntedankfest in einem besinnlichen Gottesdienst mit Bischof Reinhart Guib. Nicht vergessen wurden von uns die Kinder und die alten Menschen sowohl in Nußbach als auch im Altenheim Schweischer sowie die Friedhofspflege. Zu ihrer Unterstützung wurden Spenden seitens unserer HOG entrichtet. Kurz vor Redaktionsschluss erreichten uns Worte des Dankes seitens der EKR über Hauptanwalt Friedrich Gunesch. Er schrieb:

 

"Die HOG Nussbach zeigt einmal mehr Interesse und gelebte Solidarität mit den betreuten Menschen und ihren "Engeln" in diesem guten und umsorgten Zuhause. Eure Hilfe ist gepaart mit der Freude und Genugtuung, dass auch Bekannte und Nachbarn aus der Kirchengemeinde Nussbach hier gut aufgehoben sind."

 

Landeskirchenkurator Friedrich Philippi dankte mit den Worten: "Es ist auch für die Kanzlei des Landeskonsistoriums in diesen Corona-Zeiten nicht einfach, dieses Altenheim zu betreiben und so sind wir für jede Spende sehr dankbar! Abgesehen vom Materiellen ist aber die Geste der Solidarität mit den alten Gemeindemitgliedern der eigenen Gemeinde ebenso wichtig!"

Mit kleinen Geldzuwendungen wurden auch die Siebenbürgische Bibliothek, die uns Daten und Bilder liefert, sowie Radio Siebenbürgen bedacht, letztere versorgt uns laufend mit Informationen, einem Sonntagsgottesdienst, guter Musik und sorgte für gute Laune während der Coronazeit. Natürlich gab es im ablaufenden Jahr in unserer Gemeinschaft auch besondere Jubiläen, Familienzuwachs und wenn wir alle uns zugeschickten Nachrichten und Berichte zusammenfassen, haben wir doch einiges, welches wir in unserem Nußblatt wiedergeben, um unsere Verbindung lebendig zu erhalten.

 

Die Zeit, in der wir leben, ist von Ungewissheit geprägt. Das erleben wir wieder krass in diesen Novembertagen, in denen die Pandemie erneut zum Problem wird. Geduldig ist abzuwarten, was uns das Jahr 2022 bringt. Wir hoffen auf eine Besserung, zu der jeder Einzelne beitragen kann, durch die Einhaltung der medizinischen Empfehlungen, um unsere Tagungen, unsere Feste wieder feiern und das Verbandsleben ausleben zu können. Auch wenn es zu einer Normalisierung kommen sollte, die digitalen Veranstaltungen, das digitale Kulturleben unserer Verbände bleiben uns erhalten und wir werden uns in Zukunft auch im digitalen Universum bewegen. Ich kann nur zurufen: Nehmt diese Kulturangebote unserer Siebenbürgisch-Sächsischen Verbände wahr!

 

Wir sollten auch im kommenden Jahr die Hoffnung und das Vertrauen auf Gott nicht verlieren. Daran erinnert uns Pfarrer Helmut-Otto Reich mit der Jahreslosung dankenswerter Weise schon seit vielen Jahren.

 

Ich wünsche viel Spaß beim Lesen unseres Nußblattes, frohe und besinnliche Weihnachten und ein von Gesundheit und Gottvertrauen geprägtes Jahr 2022.

                                                           Harald Johannes Zelgy, Großhabersdorf