Ansprache einer Kerze

Ihr habt mich angezündet und schaut, nachdenklich oder versonnen, in mein Licht. Vielleicht freut ihr euch auch ein bißchen dabei. Ich jedenfalls freue mich, daß ich brenne. Wenn ich nicht brennen würde, dann läge ich in einem Karton mit anderen Kerzen, die auch nicht brennen. In so einem Karton haben wir überhaupt keinen Sinn. Da liegen wir nur herum. Einen Sinn habe ich nur, wenn ich brenne. Und jetzt brenne ich ...

Aber seitdem ich brenne, bin ich schon ein klein bißchen kürzer geworden. Das ist schade; ich kann mir schon ausrechnen, wann ich so kurz werde, daß ich nur noch ein winziges Stümpfchen bin.
Es ist aber so: Es gibt lediglich zwei Möglichkeiten - entweder ich bleibe ganz unversehrt im Karton liegen, dann werde ich nicht kürzer, dann geht mir überhaupt nichts ab; aber dann weiß ich nicht was ich überhaupt an-fangen soll - oder ich gebe Licht und Wärme, dann weiß ich wofür ich da bin. Dann muß ich aber etwas opfern dafür: mich selber. Es ist aber noch immer schöner, als kalt und sinnlos im Karton zu liegen.

So ist das auch bei euch Menschen - genauso. Entweder ihr bleibt für euch, dann passiert euch nichts, dann geht euch nichts ab - aber dann wißt ihr auch eigentlich nicht so recht, warum. Oder ihr gebt Licht und Wärme. Dann habt ihr einen Sinn; dann seid ihr nicht vergebens da. Aber dafür müßt ihr was hergeben, von euch selber: von eurer Freude, eurer Herzlichkeit, von eurer Treue, eurem Lachen, eure Traurigkeit und Ängsten, euren Sehnsüchten - von allem etwas, was in euch so steckt.

Ihr braucht keine Angst zu haben, wenn ihr dabei kürzer werdet. Das ist nur eine äußerliche Erscheinung. Innen werdet ihr immer heller. Denkt ruhig daran, wenn ihr in eine brennende Kerze seht, denn so eine Kerze seid ihr alle selber.

Laßt euch deshalb Mut machen und wartet nicht auf die anderen. Laßt euch anzünden, brennt und leuchtet, strahlt Wärme aus. Das ist der Sinn eures Lebens, so wie es der Sinn einer einfachen Kerze ist.
Und wenn ihr Zweifel habt, ob das auch alles stimmt - zündet eine Kerze an, schaut in die lebendige Flamme und begreift das Gleichnis.

Mit diesen Gedanken wünsche ich allen Nußbächern und Lesern des "Nußblattes", in der alten und neuen Heimat, Frohe Weihnachten und ein gesegnetes Neues Jahr 1998.

Emmi Schmidts, Kandel

Heimattreffen 1997

Am Pfingstsamstag, dem 17 Mai 1997, fand im Lokal "Zur Bretzge" in Baldigen, bei Nördlingen, das 6. Nußbächer Treffen statt. Es hatten sich 210 Personen angemeldet, aber wie auch in den Jahren zuvor kamen an die 260 zusammen. Auch die Jugend war gut vertreten, was die Organisatoren besonders erfreute.

Nach dem ausgedehnten Mittagessen - der neue Wirt hatte nicht mit so einem Ansturm gerechnet, ging es zum offiziellen Teil über. Diesmal standen keine Wahlen auf der Tagesordnung. Der Vorstand wurde zuletzt für vier Jahre gewählt.
Nach der Begrüßung durch Vorstandsmitglied Emmi Schmidts, die auf die Bedeutung dieser HOG Treffen einging und die Anwesenden zur Mitarbeit aufrief, ergriff das Wort unser Nachbarvater Jo-hann Roth. Er wies in seiner Rede auf die Bescheidenheit der Nußbächer hin, was sich auch bei unseren Treffen wiederspiegelt. Gestaltungsgemäß, können wir mit anderen Burzenländer Gemeinden nicht mithalten. Durch unsere Verstreuung über das ganze Bundesgebiet, ist es unmöglich einen Chor, eine Tanzgruppe, geschweige eine Blasmusikkapelle, auf die Beine zu stellen. Wir kommen zusammen, nicht um irgendwelchen vorgeladenen Gästen zu imponieren, sondern schlicht und einfach, ein paar Stunden unter uns zu sein, so wie wir es von Zuhause gewöhnt waren.

Zur Andacht an unsere Verstorbenen der letzten Jahre, von Nah und Fern, wurde eine Schweigeminute eingelegt.
Nach einem kurzen Kassenbericht, auf den er wegen den spärlichen Einnahmen, nicht ausführlicher einging, bedankte sich Johann Roth im Namen des Vorstandes bei den Nachbarn und Nachbarinnen die sich als Dauerspender erwiesen haben. Er würde sich freuen wenn jemand die undankbare Arbeit des Kassenwartes übernehme. Es gibt immer wieder böse Zungen unter den Nichtspender, die Angst haben, daß sich mit ihrem Geld einige bereichern könnten.
Den Löwenanteil der Ausgaben verschlingt der Burzenländer Heimatkalender, der zusammen mit dem "Nußblatt" an Weihnachten verschickt wird - aber den keiner vermissen möchte.

Im Namen der HOG Nußbach bedankte er sich bei Georg Teutsch, der seit nunmehr 10 Jahren das "Nußblatt" gestaltet und kostenlos zur Verfügung stellt. Seit kurzem hat er Nußbach sogar ins weltweite Internet gebracht, mit eigener Homepage - nach Zeiden, die zweite Burzenländer HOG in diesem Medium. Unsere WWW-Adresse lautet:
http:\\www.nussbach.de

Kritik äußerte der Nachbarvater an der Politik der Bundesregierung, die durch die drastischen Einschnitte im Rentengesetz für Aussiedler, viele unserer Landsleute an den Rand der Sozialhilfe drängt.

Zum Schluß brachte Johann Roth sein Amt ins Gespräch und bekräftigte seinen endgültigen Rücktritt als Nachbarvater der HOG Nußbach in zwei Jahren. Diese Zeit sollte man nutzen um eine geeignete Person, es kann auch eine weibliche sein, für die Übernahme zu motivieren.

Es folgte Georg Teutsch, der einige Punkte von allgemeinem Interesse ansprach. Er hob die Bedeutung und Rolle der Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen hervor und rief alle zur Mitgliedschaft auf - Anträge hatte er eigens dafür mitgebracht. Die neugegründete Interessengemeinschaft gegen die Rentenkürzung wurde kurz vorgestellt und er riet allen Betroffenen sich dieser anzuschließen, ihre Rentenbescheide für einen geeigneten Widerspruch einzusenden und die Prozeßführung vom Sozial- bis zum Bundesgericht zu veranlassen. Die Anschrift kann der "Siebenbürgischen Zeitung" entnommen werden.
Weiter forderte er alle auf, bei der Gestaltung der 10. Ausgabe des "Nußblattes" aktiv mitzuwirken, durch eigene Artikelbeiträge. Zudem sollten sich beim Vorstand Freiwillige melden, die bereit sind im nächsten Jahr bei der Organisation des Pfingsttreffens in Dinkelsbühl mitzuarbeiten. Dieses Treffen wird erstmalig von der HOG Burzenland gestaltet.
An einem von ihm mitgebrachten Computer konnte die Internetseite von Nußbach bestaunt werden.

Mathias Bolesch Sen. und Georg Schuster bedankten sich anschließend beim Vorstand für die geleistete Arbeit und ermunterten die junge Generation, diese Tradition weiter zu führen. Sie forderten alle auf, sich als Spen-der für die Erhaltung unserer HOG zu beteiligen. Dieser Aufruf sollte sich später als besonders positiv auswirken. Es kam wieder eine Summe zusammen die uns weiter hoffen läßt.

Nun ging es zum gemütliche Teil über. Das Duo "Kandel" unter der Leitung von Günter Schmidts, sorgte für die gute Stimmung. Die Letzten gingen spät nach Mitternacht und auch diesmal war es für alle Anwesenden ein schöner Tag, die Hoffnung sich in zwei Jahren wiederzusehen konnte man aus den strahlenden Gesichtern lesen.

Der Vorstand

Nachrichten aus Nußbach

Bei Familie Sofia und Georg Foof bedanken wir uns für folgende Daten:

Am 16. März 1997 wurde im Gemeinderaum der Weltgebetstag abgehalten. Zum Gelingen dieses Tages trugen 7 Frauen unserer Gemeinde bei.

Am Palmsonntag (23. März) feierten wir in einem gemeinsamen Gottesdienst Konfirmation mit den Kirchengemeinden Bartholomae und Weidenbach.

Im April, nach Ostern, war eine Gruppe von 6 Personen aus unserer Partnergemeinde Brüssel zu Gast. Die geplante Reise durch Siebenbürgen, Bukarest und Nord-Moldau, einer Gruppe von 21 Brüssler Freunden und Bekannten, fand im Sept.-Okt. (10 Tage) statt. So kam es, daß sie am 2. Oktober für 2 Stunden auch in Nußbach weilten und unsere Gäste sein konnten.
Der kurze Besuch hatte alle tief beeindruckt und beim Abschied hieß es: "Überall war es schön, aber in Nußbach war es am schönsten !".

In diesem Jahr, am 6. Juli wurde nun zum dritten Mal ein Waldgottesdienst im Geisterwald abgehalten, mit Pfarrer Kurt Boltres, Bartholomae. Unter strahlendem Sonnenschein, umgeben von grünen Laubbäumen, versammelten sich über 250 Personen aus ganz Burzenland, um Gott im Gebet und Liedern zu preisen und zu danken.

Am 20. Juli gestaltete ein Posaunenchor aus Görlitz-Markersdorf, zusammen mit ihrem Pfarrer, den Gottesdienst in unserer Kirche. Die zu Gehöhr gebrachten Choräle waren einmalig.

Das Schweischer Altenheim hat Frau Wilhelmine Secelean (letzter Wohnort: Mühle, Nr. 96) liebevoll aufgenommen. Aufnahme im Altenheim von Scholten (Kreis Alba) fand auch das Ehepaar Anna und Andreas Barthelmie von Nr. 252.

In der deutschen Grundschule von Nußbach (Klassen 1-4) werden 6 Schüler von Hilfslehrerin Rotraut Bolesch unterrichtet. Die deutsche Gruppe im Kindergarten besteht nach einem Monat Unterbrechung wieder und wird von einer Hilfskraft betreut (Ute Jobi).

Es wäre noch zu berichten, daß die Hauptwege am Friedhof regelmäßig, von Mai bis Oktober gepflegt werden. Mitte Oktober wurden mit 2 Kipplaster Schotter alle Wege frisch belegt.

Die evangelische Kirchengemeinde Nußbach zählt noch 132 Seelen.

Sofia u. Georg Foof, Nußbach

Gemeindebrief

Für die Gemeindeglieder aus Bartholomae, Weidenbach und Nussbach erschien unlängst die erste Ausgabe eines Gemeindebriefes, für dessen Redaktion und Gestaltung Pfarrer Kurt Boltres zeichnet.
Er bietet, wie im Titel angekündigt, einen Einblick in das Gemeindeleben der evangelischen Kirchengemeinden aus den beiden Burzenländer Ortschaften und aus Kronstadt-Bartholomae.
Auf der ersten der acht Seiten (A5-Format) nennt Pfarrer Boltres in einem Wort an die Gemeindeglieder jene Kraft, die die Siebenbürger Sachsen von Anfang an bis heute zusammengehalten und geleitet hat:

"Der christliche Glaube mit seinem gesunden Gemeindesinn und Gemeinschaftsgeist." Diese Gemeinschaft wird umso lebendiger "je mehr wir selber, jeder Einzelne, dazu beiträgt."

Einen Beitrag zum Erhalt dieser Gemeinschaft bringt auch der Gemeindebrief als Informations- und Mitteilungsmöglichkeit. Er soll voraussichtlich jeden dritten Monat seine Leser erreichen und könnte, wenn sich die Absichten von Pfarrer Boltres verwirklichen lassen, in Zukunft auch andere Burzenländer Gemeinden mit einschließen.
In der ersten Ausgabe können neben Bibelsprüchen und der Ankündigung wichtiger Veranstaltungen (Birthälmer Treffen, IV. Evangelischer Kirchentag in Mühlbach) auch Überlegungen zum Thema Beten gelesen werden, sowie eine gelungene Schilderung von Pfarrerstochter Melitta Boltres der Vor- und Nachteile ihrer Sonderstellung innerhalb der Gemeinde.

Ebenfalls angeführt werden Taufen, Trauungen, Konfirmationen und Todesfälle, wie auch die Planung der Gottesdienste für die nächsten Wochen.
Die Gemeindeglieder (283 in Bartholomae, 93 in Weidenbach und 135 in Nußbach) - die Daten entsprechen dem Stand 20. August 1997 und sind demselben Gemeindebrief entnommen - können bei der Lektüre des Gemeindebriefes sowohl einen Blick auf das Leben der Kirchengemeinde werfen als auch versuchen, darin Einblick zu gewinnen.

(R.S., Karpatenrundschau, 13.09.1997)

Heiligabend in Nußbach (Anno Domini 1937)

Die folgende kleine Erzählung soll nicht nur eine Zeitreise in die Vergangenheit darstellen, sondern ist vor allem das Gedenken und ein ewiges Dankeschön an unsere "Didis" von Nußbach, an die vielen Großmütter aus Siebenbürgen, wie auch an alle Omas dieser Welt.

Eingebettet zwischen sanften Hügeln, durchkreuzt vom leisen Bächlein, umgeben vom launenhaften Altfluß und dem legendären Geisterwald, liegt ein kleines Dörflein - liegt Nußbach, die Wiege meiner Väter und Urahnen. Gar oft und gern, kehre ich in Gedanken und in meinen Erinnerungen zu diesem Ort zurück. So auch heute, an diesem stillen und kalten Winterabend:

In der Wohnstube, die in der kalten Jahreszeit auch als Winterküche dient, dämmerte es langsam. Die Oma legt noch ein paar Hölzer auf das fast abgebrannte Feuer in dem alten Eisenofen. Zu ihrem kleinen Enkel sagt sie:
"Bitte, geh und hol noch etwas Holz für die Nacht, es wird bestimmt recht kalt werden".
Dann geht sie, mit leicht schwankendem Schritt, zur alten Wanduhr und zieht nach gewohnter Art, die Gewichte hoch. Es schlägt bald fünf, in der Stube ist es fast schon dunkel. Mit einem Holzspann, vom Ofen Feuer nehmend, zündet sie die Petroleumlampe an und hängt sie zwischen die Uhr und dem Abreißkalender an die Wand. Der Kalender bekundet das Heute der 24 Dezember 1937 ist - also Weihnachten, "Chrastdouch" , steht vor der Tür. Mit anderen Worten, es ist Heiligabend in unserem kleinen, abgelegenen Nußbach. In allen Gehöften, Ställen und Scheunen, wirtschaften fleißig Männer und Frauen - denn alle möchten heute in der Kirche, beim Abendgottesdienst dabei sein. Bis dahin ist es noch Zeit.
Aus der hellen, warmen Stube kommt der Enkel die Treppe herunter, um das Heizholz für den Abend und die Nacht zu besorgen. Im Hof ist es noch nicht ganz dunkel, dafür aber kalt und unfreundlich geworden. Am Himmel hängen dichte, graue Wolken, aus denen sich hier und da, kleine Schneeflocken lösen. Es fängt langsam an zu schneien. Sachte, doch immer beständiger, setzt sich der Schnee auf die gefrorene Erde im Hof, auf die Dächer, Gassen und Gärten.
Das Dorf verhüllt sich mehr und mehr in einen dichten Scheemantel. In den kleinen engen, wie auch den großen, breiten Dorfgassen wird es allmählich ruhiger und dunkler. Plötzlich, wie von Geisterhand, erhellen die spärlichen Straßenbeleuchtungen. Auch in den Häusern erblinken immer wieder neue Lichter, die Fenster erhellen der Reihe nach. Sie deuten auf ein emsiges Schaffen in den Stuben - Waschen, Kochen, Backen und festliches Vorbereiten. In unserer kleinen Stube geht ebenfalls ein reges Leben vor sich - alle haben zu tun - nur unser Enkel sitzt abseits, in seine Schulfibel vertieft. Die Uhr an der Wand schlägt zweimal kurz - es ist halb Sieben. Die Zeit ist da für den Aufbruch zum Heiligabend in die Kirche zu gehen. Die Zeit läuft weiter. Vom Kirchturm schlägt mit bekanntem Klang die alte Dorfsuhr, dreimal - es ist dreiviertel Sieben. In den Gassen kommt Leben auf - einzeln oder paarweise lösen sich die Leute aus ihren Haustüren. Sie gehen mit schwerem Schritt durch den Schnee - begrüßen einander und schließen sich zu Gruppen zusammen.

Weder Schnee noch Kälte konnten die Nußbächer zurückhalten, um bei diesem Jahresereignis nicht in der Kirche zu sein. In dichten Reihen schlängeln sie sich hinauf, durch und neben dem kleinen Park, oder am Schulgebäude herunter, am Pfarrhaus vorbei - gleich einem Volksfest, durch das Treppentor zum Kirchhof. Sie kommen aus allen Richtungen - aus der breiten Kronstädtergasse, aus der langen Waldgasse, von An-dem-Bach und Bahngasse, von Hinter-der-Kirche und Mühlgasse, wie auch von den anderen Nebengassen unseres winterlich verschneitem Dörflein.

Festlicher Lichterglanz strahlt durch die hohen gotischen Kirchenfenster heraus, auf Menschen und den seitlich angehäuften Schnee. Die Leute ver-teilen sich - rechts zur Schulallee die Frauen, Mädchen und Kinder, links zur Mauerallee die Männer und Jugendlichen. Ein unvergeßliches Erlebnisbild:
von heftigem Glockengeläut begleitet, gehen die winterlich beklei-deten Nußbächer, still und besinnlich, dem aus der Kirche ausstrahlendem Lichte entgegen. Ja, wo sind die alten, schönen Weihnachtszeiten aus unseren Kinder- und Jugendjahren ?
In der hellbeleuchteten Kirche angelangt, gleich beim Eintreten, schüttelt man erst mühsam den Schnee ab. Dann begibt sich, nach alter Sitte und Brauch, jeder zu seinem Stammsitz, begleitet von vielseitigem Kopfnicken, als allgemeine Begrüßung. Auch unsere Oma mit dem Enkel ist dabei. Sie war schon seit längerer Zeit, krankheitsbedingt, nicht mehr in der Kirche anwesend. Doch heute, so schwer der Weg auch war, ist sie trotzdem gekommen. Der Hauptgrund für ihre Mühe, war unser - Entschuldigung "Ihr" - kleiner Enkel. Dieser sollte heute Abend ein Gedicht vortragen. Beide, die Didi und ihr Enkel, hatten in manchen stillen Stunden, ein langes Weihnachtsgedicht eingelernt, welches heute vor allen Leuten zur Sprache kommen sollte.
Die Großmutter hatte viel größeres Lampenfieber als ihr Enkel. Dieser, wie Kinder halt immer sind, war sich der Aufregung nicht ganz bewußt. Beim Ausklingen der Glocken und Eintreten des Dorfpfarrers, erhebt sich die Gemeinde, in der mehr wie überfüllten Kirche. Der Abendgottesdienst zu Ehren des Weihnachtsfestes nimmt seinen gewöhnlichen Lauf. Im Rahmen der bekannten Zeremonie, war die Predigt in diesem Jahr dennoch etwas Besonderes. Ein erster Teil beruhte wie üblich auf Jesus Christi Geburt und der dazugehörigen Weihnachtsbotschaft. Der zweite Teil, bezog sich dagegen auf die Worte aus den Korintherbriefen des Paulus, in denen die zeitlose Gültigkeit des Glaubens, der Liebe und der Hoffnung erläutert werden.
Diese Begriffe waren und bleiben, die Hauptkoordinaten unseres ganzen Lebens - sie sind die Wechselbeziehungen zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, in unserem kurzen irdischen Dasein. Der Glaube ist der Grundstein unserer Gesellschaft, Volksgemeinschaft und Kirche - die Liebe, die Urkraft der Schöpfung und der Familie - na, und Weihnachten ist eben eines der schönsten Familienfeste, die Hoffnung ist der Weg und das Licht in der Dunkelheit unseres kleinen, wie auch großen, Universum. Der Pfarrer beendete seine Predigt mit den Worten des Dichters J. Fr. Schiller:

"Dem Menschen ist nimmer sein Wert geraubt, so lang er noch an diese drei Worte glaubt". Amen !

Unsere Dorfältesten sprachen anschließend, über die Bedeutung und die Moral dieser Jahresbotschaft.
Doch kehren wir zurück zu den Hauptdarstellern unserer Erzählung - zur Oma und ihrem Enkel. Endlich war das große Ereignis des Abends ganz nahe gerückt. Aus der Kinderschar lösten sich zaghaft, unser Enkel, ein blondes Mädchen und noch ein kleiner Junge. Sie nahmen schüchtern Stellung vor dem riesigen Tannenbaum, aufgeschmückt zwischen Altar und der Kirchengemeinde. Die neugierigen Kinderaugen blickten scheu, aber auch froh, in Richtung Christbaum und noch vielmehr zu den unzähligen Päckchen die darunter am Boden angehäuft waren. Großmutters Enkel hatte die Aufgabe, mit den beiden andern - natürlich als Erster - je ein Gedicht aufzusagen. Mit seinen 34 Verszeilen, war es eines der längsten Gedichte, daß jemals am Heiligabend vorgetragen wurde. Diese Tatsache versetzte unsere Didi in größte Aufregung, zugleich war sie aber auch voller Stolz. Auf ein kurzes Kopfnicken des Pfarrers, begann ihr Enkel, etwas schüchtern, mit den ersten Versen:

"Von drauß vom Walde komm ich hehr; Ich muß Euch sagen, es weihnachtet sehr ! Allüberall auf den Tannenspitzen, sah ich goldene Lichtlein sitzen ... !".

Das Vortragen der übrigen Verse verlief recht gut, seine Stimme wurde lauter, doch auch etwas hastiger dem Ende zu. Bloß bei den letzten 4-6 Versen kam eine kurze Pause, ein kleines Stocken auf, daß aber dann auch noch gut ablief. Es folgten das Mädchen und der andere Junge, mit verhältnismäßig viel kürzeren Gedich-te. Nach diesen Darbietungen sangen der Kinder- und Jugendchor, von der Orgel begleitet:

"Vom Himmel hoch, da komm ich hehr" - zu dem schließlich die ganze Kirchengemeinde einstimmte.
Es folgte die von den Kindern so sehr erwartete Gabenbescherung, mit dem dazugehörigen Rummel und Getöse.
Mit den drei Strophen des Liedes "O du fröhliche, o du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit !" - von der ganzen Gemeinde gesungen, ging der Gottesdienst, zu Ehren des Heiligabends, zu Ende.

Langsam, aber fast gleichzeitig, fingen sich die Kirchenbänke an zu leeren, die Leute - klein und groß, jung und alt - bewegten sich dem Ausgang zu.
Draußen war die Schneedecke ziemlich angewachsen, es hatte aber aufgehört zu schneien. Die Nußbächer wünschten sich noch gegenseitig "Frohe Weihnachten", um dann Familien- oder Nachbarschaftsweise ihren Heimweg anzutreten. Wie so oft im Leben, der Heimweg schien viel kürzer zu sein als beim Fortgehen von Zuhause. Angekommen, nach kurzem Umkleiden, war die Familie froh und guter Laune beim Abendbrot am Tisch versammelt.
Das eigentliche Festessen sollte, wie immer, am nächsten - also am ersten Weihnachtstag - stattfinden. Trotzdem wurde auch an diesem Abend, nach der häuslichen Christkindlbescherung, noch lange geplaudert und geredet. Allmählich aber, erhob sich der Eine oder der Andere vom Tisch und begab sich in das Vorder- oder Nebenzimmer, zum Schlafengehen.
Zu guter letzt blieb in der Stube nur die Großmutter und ihr Enkel. Auch sie bereiteten sich fürs Schlafen vor - die Didi in ihrem Bauernbett und er, auf der gewohnten Holztruhe, unter der Wanduhr und dem Kalender.
In der warmen Stube, mit der stark herabgedrehten Petroleumlampe und einem schwachen Lichtschein vom Ofen ausgestrahlt, war es nun ganz still geworden. Es war schon spät - die alte Wanduhr verkündete elf Uhr. Sogar unsere Oma, nach so einem ereignisreichem Tag, war eingeschlafen. Nur der kleine Enkel fand keinen Schlaf, er durchlebte in Gedanken nochmals die Geschehnisse des Abends und war voller Freude über die Geschenke und die vielen Süßigkeiten. Er hörte die Oma ruhig und tief atmen - ein wunderbares Gefühl von Geborgenheit umfaßte sein kleines Kinderherz. Er war überglücklich so einen Schutzengel zu haben - wie seine Didi für ihn war - und fragte sich heimlich ob auch andere Kinder solch einen Beschützer haben. Er gelobte sich, sie - seine Oma - nie zu vergessen !

Bei all diesen Gedanken, sah er zum Fenster hinüber und wollte gerne wissen ob es draußen, vielleicht, wieder angefangen hat zu schneien. Ohne viel zu zögern, ließ er sich sachte von der Truhe gleiten und ging mit leisen Schritten zum Fenster. Er hob langsam den einen Zipfel des Fenstertuches hoch und blickte in den schneebedeckten Hof hinaus. Nein, es schneite nicht - im Gegenteil, es war eine sternklare Winternacht mit unzählbaren kleinen Lichtlein am Himmel. Wie lange er da gestanden hat, mit dem Blick zum Sternenhimmel, wußte niemand - er, noch viel weniger. Allenfalls, nach einiger Zeit war es ihm als wenn in der Stille - denn auch diese hatte ihren besonders feinen Klang -, als wenn ganz, ganz leise ein Lied ertöne. Ein Lied das mehr ein Gefühl, wie Musik war - ein herrliches Wohlgefühl welches sich in zwei kleinen, unschuldigen Kinderaugen widerspiegelte. Viel, viel mehr, dieses wunderbare Wohlgefühl von Geborgenheit und Freude, nahm immer mehr die Gestalt einer himmlisch, schönen Melodie an - eine Melodie welche in dieser Nacht, nicht nur in unserem kleinen, verschneitem Dörflein am Rande des Burzenlandes - in Nußbach, zu hören war, sondern in aller Völkersprachen der großen, weiten Welt, feierlich wie folgt ertönte:

"Stille Nacht, heilige Nacht !
Alles schläft, einsam wacht ... !"

OttoWalter Roth, Tuttlingen

Burzenländer HOG Tagung

Vom 18-20. April 1997 trafen sich in Neuhaus bei Crailsheim die Nachbarväter und Vertreter der Burzenländer Heimatortsgemeinschaften (HOG) zu ihrer 14. Tagung. Aus persönlichen Gründen, waren Marienburg und Rothbach nicht vertreten, jedoch lagen von beiden HOGs die schriftlichen Berichte vor.
Am ersten Tag berichtete jede HOG über das abgelaufene Jahr, wobei sich die Schwerpunkte auf folgende Themen konzentrierten: Kontakte zur alten Heimat, Dorfgeschehen, Heimathilfe und die HOG hier in Deutschland. Erfreulich ist die Tatsache daß es in den meisten Fällen noch gute Kontak-te zur alten Heimat gibt; die HOGs haben ihre Ansprechpartner und wer-den regelmäßig über das Gemeindeleben informiert. Diese Nachrichten werden über die Heimatblätter an die Mitglieder weitergegeben. Bei der Heimathilfe steht der Friedhof im Mittelpunkt. In den meisten Gemeinden wird dieser von einem bestimmten Personenkreis in Gemeinschaftsarbeit gepflegt und die HOG unterstützt diese Aktionen mit einem durch den Vorstand festgelegten Betrag in DM oder Gartengeräten. Es gibt aber auch HOGs die einzelne Personen mit dieser Aufgabe beauftragt haben, wie Wolkendorf oder Zeiden. Alle HOGs hier in Deutschland halten im 2-3 Jahresturnus ihre Treffen ab. Vielerorts gibt es noch zusätzliche Regionalfeste.
Am zweiten Tag kamen Themen von allgemeinem Interesse zur Sprache. Martin Rill, vom Kulturrat aus Gundelsheim, stellte das Projekt eines Bild-bandes Burzenland vor. Das Buch solle Luftaufnahmen von Georg Gerster und Bodenaufnahmen von Martin Eichler enthalten. Rill regt an, daß sich die Burzenländer HOG's zu 1/3, d.h. um die 60.000 DM, an diesem Bildband beteiligen sollen. Die Vertreter der Burzenländer HOGs lehnten aus finanziellen Gründen dieses Angebot ab und beschränkten sich auf Sammelbestellungen für interessierte Mitglieder, falls es zur Herausgabe des Buches kommt.
Der Beschluß vor 5 Jahren, eine eigene Burzenländer Chronik herauszu-bringen, war wieder auf dem Tagespunkt. Alle Anwesenden wurden gebeten an ihren Chronik-Gliederungen (10-20 Seiten) weiterzuarbeiten. Helmut Beer, von der Wolkendorfer HOG behält die Koordination an diesem Projekt und man beabsichtigt das Buch in 2-3 Jahren herauszubringen.
Am Nachmittag führte Georg Teutsch (HOG Nußbach), anhand eines PCs und Bildschirmprojektors, die Möglichkeiten des Internets vor. Er präsentierte mehrere Seiten von SibiWeb, dem Online-Forum für Siebenbürgen. Eigene Startseiten (Homepages) im Internet haben zur Zeit Nußbach und Zeiden.
Hannelore Scheiber, Vorsitzende der Landesgruppe Bayern der Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen, berichtet über den Vorschalg im Bundesvorstand, den Heimattag 1998 in Dinkelsbühl durch die Burzenländer HOG zu gestalten. Dieses Vorhaben wird von den Anwesenden mit großer Mehrheit angenommen.
Das jüngste Gesetz der Bundesregierung zur Fremdrentenkürzung war ein anderer Tagespunkt, der zur Debatte kam. Hannelore Scheiber fordert alle auf, der Interessengemeinschaft gegen die Rentenkürzung beizutreten, um gerichtliche Klagen in breiter Front zu ermöglichen. Alle Betroffenen sollten ihre Rentenbescheide durch einen Fachmann prüfen lassen.
Am Sonntag folgte der Kassenbericht durch Krimhild Bonfert. Zudem wurde auch der Kostenverteilerschlüssel aktualisiert.
Es wurden noch die Satzungen der HOG Burzenland erarbeitet, bevor der Heimatkalender 1998 zur Sprache kam. Diesmal sind die Luftaufnahmen mit dem Ortskern der Städte und Gemeinden an der Reihe. Die Druckkos-ten werden voraussichtlich bei 4,30 - 4,50 DM pro Exemplar liegen.
Die nächste Tagung der HOG Burzenland findet vom 24-26. April 1998 im Gasthof Neuhaus statt.

Der Vorstand

Familiennachrichten

Taufen in Nußbach:

Beatrix, Eltern: Enikö und Martin Kaiser-Seimes

Taufen in Deutschland:

Michael, Eltern: Sigrid und Edwin Roth, Königsbrunn

In Nußbach wurden konfirmiert:

Sebastian-Georg Franz
Andrea-Erika Foof

In Nußbach sind verstorben:

Michael Hitsch, Nr. 259 (200), 72 Jahre
Johann Müller, Nr. 173 (152), 83 Jahre
Katharina Müller, Nr. 173 (152), 62 Jahre
Reinhold Roth, Nr. 71 (63), 39 Jahre

In Deutschland sind verstorben:

Rosa Bolesch, Nr. 255 (196), Böblingen, 80 Jahre
Hans Ciucasel, Nr. 107 (100), Einbeck, 66 Jahre
Andreas Foof, Nr. 161 (143), Stadtallendorf, 80 Jahre
Anna-Maria Foof, Nr. 158 (143), Fürth, 72 Jahre
Katharina Foof, Nr. 253 (194), Ingolstadt, 74 Jahre
Josef Klementis, Nr. 175 (154), Landau, 68 Jahre
Michael Roth, Nr. 6 (6), Stadtallendorf, 60 Jahre
Dr. Peter Roth, Nr. 246 (188), Saarbrücken, 93 Jahre
Simon Tartler, Nr. 30 (30), Homburg/Kirrberg, 69 Jahre
Michael Thiess, Nr. 13 (13), Rülzheim, 93 Jahre




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