Das Weihnachtswunder
(von Stefanie Korbel)

Es war leer geworden in den dunklen Straßen und dicke Flocken fielen vom Himmel. Die Häuser und die Erde sahen so aus, als wären sie mit Puderzucker bestäubt. Ein eiskalter Wind wehte, den Laila wie Messerstiche auf der Haut fühlte. Sie irrte allein durch die Straßen und Gassen der kleinen Stadt. Die erbärmliche Kleidung, die sie noch an ihrem schmalen dünnen Leib trug, war über und über mit Löchern übersäht.
Laila war gerade 12 Jahre alt gewesen als ihre Eltern starben. Da sie keine Verwandten hatte, kam sie in ein Waisenhaus und fand keine Freunde, weil sie ein sehr verschlossenes, schüchternes Mädchen war.
Wenn Eltern kamen und ein Kind adoptieren wollten, suchten sie sich im-mer ein anderes, fröhliches Kind heraus. Diese Einsamkeit hielt Laila nicht lange aus, und floh aus dem Waisenhaus. Heute, ein Tag vor dem Heiligen Abend dachte sie mit schwerem Herzen an ihre Eltern zurück und stellte sich eine warme Stube mit einem hellerleuchteten Christbaum vor, der überall mit bunten, glänzenden Kugeln und Zuckerbrot behangen war. Ihr Magen knurrte bei dem Gedanken, ihr Herz wurde schwer und schließlich rann eine kleine, kalte Träne über ihre Wange.
"Hey Kleine !", eine barsche Stimme riß sie aus ihren Gedanken.
Vor ihr stand eine dunkle, kräftige Gestalt. Es war ein alter Mann, der einen weißen Bart, einen schäbigen, alten Mantel und einen, nicht weniger dreckigen, schwarzen Filzhut trug.
"Was macht so ein kleines Mädchen wie du noch so spät in der Stadt ?", forschte er weiter.
Laila saß nur stumm und ängstlich da, kein Ton kam über ihre Lippen.
"Ah, bist wohl stumm, wie ? Naja !" sagte der Mann, setzte sich auf die Parkbank und holte aus seiner Plastiktüte ein Stück Brot heraus.
Laila sah so gierig zu, wie der alte Mann schmatzend an dem Brot biß. Er hielt inne und fing dann an herzlich zu lachen: "Ho, ho, ho ! Du hast wohl Hunger, kleine Ausreißerin ! Setz dich ruhig zu mir, ich teile gerne meine Stulle mit dir".
Laila war überglücklich und als sie das Stück Brot in der Hand hielt, fing sie an zu erzählen. Das Mädchen erzählte dem Alten von dem Tod ihrer über alles geliebten Eltern und über ihren Ausriß aus dem Waisenhaus. Der Mann hörte aufmerksam zu und als sie geendet hatte ing er an in seiner Plastiktüte zu kramen.
"Ich friere ein wenig, ich brauche jetzt einen guten Schluck Rotwein ! Du auch, mein Kind ?".
Laila nickte zustimmend und schon reichte ihr der Alte die Flasche. Sie nahm einen kräftigen Zug und spürte langsam die Wärme in ihr aufsteigen.
"Sagen sie mal, wie heißen sie eigentlich ?", fragte Laila neugierig.
"Nenne mich einfach Charlie, Kleine. Ich weiß auch wo ich heute Nacht übernachten könnte. Ich kenne eine warme Scheune, nicht weit von hier. Wenn du willst kannst du gerne mitkommen".
Laila nickte zustimmend und schon hatte sie Charlie an die Hand gefaßt und stampfte mit ihm durch den Schnee. Sie bogen einen schmalen Feldweg ein, liefen eine Weile durch den knöchelhohen Schnee und blieben vor einer großen Scheune stehen.
"Das ist es ! Unser 3-Sterne Hotel !" rief Charlie und danach brachen beide in ein herzliches Gelächter aus.
Charlie öffnete leise das Scheunentor und beide traten ein. Drinnen lagen viele Strohballen und es war angenehm warm. Gähnend legte sich Laila auf einen solchen. Der Alte nahm seinen Mantel und deckte sie damit zu.
"Danke Charlie !", sagte sie nur noch und schon war sie eingeschlafen.
Als Laila am nächsten Tag erwachte, fand sie sich nicht auf dem Strohballen in der Scheune wieder, sondern in einem Bett. Drumherum saßen eine Frau und ein Mann mit besorgten Gesichtern.
Laila ging im Bett hoch: "Wo bin ich und was mache ich hier ?".
"Keine Angst mein Kind", sagte die Frau.
"Mein Mann hat dich als er Viehfutter holen wollte, in der Scheune gefunden und dich ins Haus gebracht. Wir dachten erst du seist schon tot, und dann haben wir einen Arzt gerufen. Du hast eine starke Unterkühlung und mußt im Bett bleiben".
Der Mann fuhr fort: "Weißt du mein Kind, als meine Frau und ich dich da so liegen sahen, dachten wir, du seist ein Geschenk von Gott, weil wir keine Kinder kriegen können und uns immer welche gewünscht haben ...".
Da fing das Mädchen an ihre Geschichte zu erzählen und auch das, was sich gestern Nacht zugetragen hatte: "Seit langem wünsche ich mir nichts sehnlicher als ein paar Eltern zu haben und ich will natürlich gerne bei euch bleiben, aber was ist mit Charlie ?".
"Charlie kann auch bei uns wohnen. Er kann uns vielleicht als Knecht unter die Arme greifen", sagte der Bauer.
Vor lauter Glück umarmte sie stürmisch ihre neuen Eltern und rannte eilig in die Scheune um nach Charlie zu sehen. Ungeduldig öffnete sie das knarrende Tor ... aber da war keine Menschenseele mehr. Fieberhaft suchte sie in allen Ecken nach ihrem Freund ... doch vergebens. Das einzige, was sie fand, war der alte Mantel und der Filzhut. Traurig drückte sie die Sachen an sich. Er hatte sie tatsächlich im Stich gelassen ... eine Träne floß über ihre Wange.
Doch da ... was war das ? Sie hörte Glöckchen klingen ... Sie rannte heraus und schaute sich um ... aber da war niemenad. Sie schaute in den schon etwas dunkel gewordenen Himmel. Plötzlich sah Laila einen Schlitten am Himmel fliegen, der von vielen Rentieren gezogen wurde. Sie rieb sich ihre Augen und wußte nicht, ob sie wachte oder träumte und auf einmal rief ihr eine wohlbekannte Stimme zu:
"Frohe Weihnachten, kleine Ausreißerin. Ho, ho, ho !"

Mit diesen Gedanken wünsche ich allen Nußbächern und Lesern des "Nußblattes", in der alten und neuen Heimat, Frohe Weihnachten und ein gesegnetes Jahr 1999 !

Emmi Schmidts, Kandel

Nachrichten aus Nußbach

Bei Familie Sofia und Georg Foof bedanken wir uns für folgende Informationen:

Auch in diesem Jahr feierten wir im März den Weltgebetstag mit dem Thema: "Und wer sind unsere Nächsten ?". Anwesend waren im Gemeinderaum 36 Gemeindeglieder.

Am 1. Mai klang, nach einigen Jahren Unterbrechung, wieder "Der Mai ist gekommen" durch die Straßen des Dorfes. In der Früh war es die ru-mänische Bläserfomation aus Nußbach, geleitet von Lehrer Vlad Traian, nachmittags war es das Bläserquartett aus Hermannstadt, unter der Lei-tung von Prof. Kurt Philippi.

Heuer fand wieder im Geisterwald der nun schon traditionelle Waldgottesdienst statt. Außer den Nußbächern beteiligten sich Gemeindeglieder aus ganz Burzenland, sowie Gäste aus Neppendorf und Großau. Anwesend waren ca. 250 Personen. Den Gottesdienst gestaltete Pfarrer Kurt Heinz Boltres.

Ende September weilte eine Gruppe von 4 Freunden aus Brüssel in Nußbach. Wir verbrachten schöne Tage miteinander. Der Höhepunkt war der Festgottesdienst in unserer Kirche am 27. September, gestaltet von den Freunden aus Brüssel zum Abschluß der Partnerschaft. Anwesend waren 49 Gemeindeglieder, welche nach dem Gottesdienst zu Kaffee und Süßigkeiten in den Gemeinderaum eingeladen wurden.

Im August'97 wurde der Adler vom Denkmal auf dem Friedhof gestohlen und nach 2 Tagen Stücke davon wiedergefunden. Drei geschickte Handwerker der Baustelle ACOMIN aus Szentgyörgy (Sf. Gheorghe) löteten und schweißten den Adler wieder zusammen; nun steht er in neuem Glanz wieder an seiner alten Stelle. Das Denkmal wurde gründlich von Moos, Flechten und Staub gereinigt.
Auch die große Lücke an der Ringmauer, neben dem Eingangstor zum Friedhof, wurde im Laufe dieses Sommers, unter Beteiligung vieler Männer, ausgebessert (Länge 8m, Höhe 2,5m).

Im abgelaufenen Jahr war die Friedhofspflege in guten Händen, uzw. war es Fam. Katharina und Georg Schuffert Nr. 273, welche diese Arbeit für eine monatliche Zulage leisteten.

Die fünf Schüler der deutschen Grundschule werden auch in diesem Jahr von Hilfslehrerin Rotraut Bolesch unterrichtet. Die deutsche Gruppe im Kindergarten wird von Ute Jobi betreut.

Zur Zeit zählt die evangelische Kirchengemeinde Nußbach noch 127 Seelen.

Weihnachten'98 steht vor der Tür; es soll an dieser Stelle einiges darüber berichtet werden, wie die Christbescherung 1997 verlief:
Dank den Geldspenden der HOG Nußbach, den Beiträgen der Freunde aus Brüssel und anderer spendefreudigen Nußbächern (Fam. Zelgy und Schuster aus Deutschland), konnten 62 reichhaltige Päckchen für Kinder und größtenteils ältere Gemeindeglieder (ab 72 Jahren) vorbereitet werden. Das Nußbächer Presbyterium dankt allen hier genannten und auch nicht genannten Spendern.

Worte des Dankes sollen auch an Fam. Georg Foof (Ingolstadt), für den Ertrag seines der Kirche vermachten Grundbesitzes ausgesprochen werden.

Ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein friedvolles Neues Jahr 1999, wünschen wir allen Nußbächern fern der Heimat !

Sofia u. Georg Foof, Nußbach

Gemeindebrief

Dem Gemeindebrief - EinBlick - für Bartholomae, Weidenbach und Nußbach (Nr. 2 - 4) entnehmen wir folgende Daten:

Laut einer Meldung des Landeskonsistoriums zählt die Deutsche Evangelische Kirche noch 17.216 Seelen die in 260 Kirchengemeinden verstreut leben. Auf Kirchenbezirke aufgeteilt:

- Kirchenbezirk Hermannstadt, 4.196 Seelen
- Kirchenbezirk Kronstadt, 5.877 Seelen
- Kirchenbezirk Mediasch, 2.079 Seelen
- Kirchenbezirk Mühlbach, 2.358 Seelen
- Kirchenbezirk Schäßburg , 2.706 Seelen

Die Zusammensetzung der kirchlichen Körperschaft in Nußbach:

- Kurator: Martin Cloos (Hausnr. 325)
- Presbyter: Georg Foof (Hausnr. 10), Klementis Johann (Hausnr. 156), Hitsch Amalia (Hausnr. 259)
- Gemeindevertretung: Gerda Barthelmie (Hausnr. 11), Helmut Bolesch (Hausnr. 63), Helmut Kosa (Hausnr. 176), Georg Franz (Hausnr. 79), Hermann Gutt (Hausnr. 332), Georg Thiess (Hausnr. 254), Wilhelm Jobi (Hausnr. 264)


In Memoriam - 500 Jahre - Johannes Honterus

Vorwort: Es ist eine Sache des guten Rechts und auch der Pflicht - als Absolvent des Honterus-Gymnasiums, Jahrgang 1948 - die runden 50 Jahre mit der 500 Jahresfeier von Johannes Honterus zu verbinden und so das einmalige Doppeljubiläum des Jahres 1998 - zum Gedenken einer der außergewöhnlichsten Persönlichkeiten unserer siebenbürgisch-sächsischen Geschichte - mit folgendem Beitrag ehrenvoll zu würdigen.

Die Geschichte - das älteste und wohl auch das größte Lehrbuch der Menschheit - ist und bleibt auch für uns Siebenbürger Sachsen ein guter und immer aktueller Wegbegleiter in unserem Leben. Doch vergessen wir leider viel zu oft, dieses Lehrbuch hie und da aufzuschlagen und darin nachzublättern. Meistens erinnern wir uns daran, es dennoch zu machen, erst bei Feierlichkeiten von Persönlichkeiten aus unserer jahrhundertlangen Geschichte.
Diese alte Schul- oder Volksweisheit offenbart sich uns wieder einmal beim diesjährigen Geburtstag unseres großen Humanisten und Reformators Johannes Honterus (1498 - 1549). Er gestaltete und prägte mit seiner vielfältigen Wirksamkeit die Geschichte der Siebenbürger Sachsen und nicht nur deren, für eine Reichweite von Jahrhunderten und wird sie bestimmt auch in Zukunft noch lange, lange kennzeichnen.

Johannes Honterus wurde als bürgerlicher Sohn des Lederer Georg (Jörg) Austin (Gras) und Dorothea, geb. Honnes, am 6. Juli 1498 in Kronstadt im Burzenland/Siebenbürgen geboren. Sein Geburtshaus befindet sich in der Schwarzgasse Nr. 40. Das ursprüngliche Elternhaus ist einige Male abgebrannt, aber immer wieder auf- und umgebaut worden. Das heutige Haus ist mit einer kleinen Gedenktafel über dem Eingangstor versehen, angefertigt im Jahre 1857.
Der Überlieferung nach, ist die vielfache Metamorphose seiner Namensbildung auf das Folgende zurückzuführen:
Joannes, Jo-hann(es) der Lederer (Corerari) aus Kronstadt (ex Corona) - Honner - Holler - und letztendlich Honter, zu seinen Lebzeiten der meist benützte Familienname. Dieser ist dann auch später als "Honterus", latinisiert in die Geschichte eingegangen. Mit anderen Worten:

JOHANNES HONTERUS - eine Kronstädter Legende hatte Gestalt angenommen und wurde so für allemal unter diesem Namen aus der geschichtlichen Taufe gehoben.

Seine erste Ausbildung erhielt Honterus in einer Stadtschule in Kronstadt, wo er als Jüngling auch von Geistlichen eines Dominikanerklosters in lateinischer Sprache unterrichtet wurde. Einigen Voraussetzungen nach, sind dem wissenshungrigen Schüler aus Kronstadt, auch andere Grundschulausbildungen zuteil geworden, zu denen es aber keine genaue Hinweise gibt. Fest belegt ist die Tatsache, daß sich Honterus im Jahre 1520 im kaiserlichen Wien befand, wo er an der Universität der bildenden Künste immatrikuliert war. Dort absolvierte er 1522 seine Reifestufe und bekam - nach einem Weiterstudium - 1525 auch die Magisterwürde verliehen.
Danach war er verpflichtet für zwei Jahre als Magister an der Wiener Univer-sität Vorlesungen zu halten. Seine beachtliche Bildung und auch spätere Wirksamkeit in der Heimat, sind von dem gesamten Wiener Aufenthalt stark geprägt. Zu dieser Zeit waren dort bedeutende Gelehrte tätig, denen Honterus viel zu verdanken hat, wie z.B. seine Vervollständigung in der Arithmetik, Geometrie und Astronomie, in der Geographie und Kartenzeichnung, in dem Erziehungs- und Schulwesen, sowie in den Kenntnissen der lateinischen und griechischen Sprachen.
In der Zwischenzeit kehrte Honterus wiederholt in seine Heimatstadt - Kronstadt - zurück, wo er umfangreiche Siebenbürgische Landesbeurkundungen durchführte und gleichzeitig seine ersten handschriftlichen Werke verfaßte. Es kann hierzu noch gesagt werden, in dieser Zeit - wegen seinen vielseitigen Erneuerungsansichten - mußte Johannes Honterus zwangsweise sogar seine Heimat verlassen. In den darauf folgenden Jahren, zwischen 1527 und 1533, hielt er sich zunächst in Krakau (Polen) und später in Basel (Schweiz) auf, wo er an den Univeritäten tätig war, ohne doch zu deren Dozenten anzugehören. Er eignete sich in dieser Zeitspanne gründliche Kenntnisse in den Berichen der Buchdruckerei, der Kartographie und der Pedagogie an, erweiterte seinen Wissenskreis als Humanist und Gelehrter. In Basel lernte Honterus auch die reformatorische Tätigkeit des Ulrich Zwingli kennen und diese zu befürworten. Diese Reformationsidee, vervollständigt mit den strukturellen Einflüßen von Martin Luther, bildeten die Grundlage für die Durchführung seiner späteren Kirchenerneuerungen in Kronstadt und ganz Siebenbürgen.
Hier sei noch erwähnt, während dieser Auslandszeit sind eine ganze Reihe seiner Schriften und Werke - in verbesserter so wie auch in geruckter Form - erschienen, wie z.B. die berühmten "Grundzüge der Weltbeschreibung (Kosmographie)", verschiedene Gramatiken, die Himmels- und Sternekarten, wie auch die nicht weniger bekannte "Siebenbürger Karte".

Seine letzten 16 Lebensjahre - von 1533 bis 1549 - verbrachte Honterus ausschließlich in der Heimat, in Kronstadt, wo er mit seiner Familie - der zweiten Frau und Sohn Calixtus, aus erster Ehe (seine Gattin Anna war verstorben) - ein angesehenes und bürgerliches Dasein führte.
Hier widmete er seine gesamte Zeit und Kraft, mit großer Überzeugung der Stadtverwaltung, wobei er wiederholt öffentlich mit Zuwendungen und Geschenken geehrt wurde. Er wohnte vorübergehend mit seiner Familie im Hause des Stadtrichters Lukas Hirschner am Roßmarkt, was auf enge Verhältnisse zu den führenden städtischen Kreisen hinweist.
Auf Grund seiner großen Wissenskraft und vielseitigen Wirksamkeit, wurde Honterus sehr geschätzt und auf allen Ebenen immer wieder um Rat gebeten. Dieses bezeugen auch seine aufschlußreichen Briefwechsel im In- und Ausland. Zu den Korrespondenten könnten e rwähnt werden - im Lande:
Anton Verontius, der Domherr von Weißenburg, Martin Weiß, der Bürgermeister von Hermannstadt - im Ausland: Andreas Melzer, der Magister aus Kaschau, Heinrich Bullinger, Oberpfarrer von Zürich, wie auch Martin Luther, Philipp Melanchthon und Johannes Bugenhagen, die drei Reformatoren aus Wittenberg.
Weitere Beweise für die unermüdliche Tätigkeit des Johannes Honterus sind sein Aufstieg zum Ehrenbürgermeister von Kronstadt, sein konstantes Bemühen um die Erziehung der Jugend für eine bessere Bildung, die totale Umstrukturierung des Schulwesens, wie auch sein effektives Mitwirken bei der Gestaltung und Finanzgebarung der Stadtverwaltung.

Die Krönung all dieser Tätigkeiten, war seine Wahl zum Ratsherren (1536) und - angesichts seines Bestrebens für die Erneuerung des Kronstädter Kirchendienstes, einschließlich der Einführung des evangelischen Gottesdienstes (1542) - die Ernennung zum Stadtpfarrer am 22. April 1544. Seine Kürung zum Kirchenoberhaupt von Kronstadt, hatte letztendlich zur Folge die Durchführung der Reformation im gesamten deutschsprachigen Raum Siebenbürgens.
Doch das eigentliche Gesamtwirken des Johannes Honterus kommt am besten zum Ausdruck, durch seine überwältigende, ausgesprochene Vielseitigkeit, die leider gar zu oft kleingeschrieben, übersehen oder zuwenig hervorgehoben wird. Und genau diese große Vielfältigkeit seines Schaffensbereiches ist es allemal, wofür Honterus sein einmaliges Bewertungszeugnis mit "Magna cum laude" von der Weltgeschichte für immer erhalten hat.
Von seinen zahlreichen Verdiensten gebührt es sich - wenn auch nur kurz und stichwortartig - folgende aufzuzählen:

Der Humanist, Ausbildungs- und Schulerneuerer - Als Zeitgenosse des deutschen Humanisten Ulrich Hutten und des niederländischen Erasmus von Rotterdam, nahm Honterus zum Vorbild den Humanismus der antiken Griechen und Römer; entwickelte die Neubewertung der Menschenwürde, die Persönlichkeitsentfaltung für die Bildung und Erziehung der Jugend; gestaltete die neue Schulordnung samt Schülermitvervaltung (Coetus) und gründete das weitbekannte Honterus-Gymnasium in Kronstadt, ein vor-bildliches Kulturinstitut mit Ausstrahlung auf ganz Ost- und Mitteleuropa; siehe z.B. die "Erste rumänische Schule" in der Kronstädter Obervorstadt (Schei). Er errichtete gleichfalls das erste Bibliotheksgebäude Siebenbürgens, welches leider dem Großbrand von 1689 zum Opfer fiel.

Der Schriftsteller, Buchdrucker und Verfasser - Schon in seiner Studienzeit entfaltete Honterus eine mehr als rege Schriftstellertätigkeit, verfaßte handschriftlich - später auch in gedruckter Form - Begleit- und Hauptschriften für Grammatik und Kartographie, für Schul- und Kirchenwesen und grün-dete in Kronstadt die berühmte Buchdruckerei, wo nicht nur seine Werke gedruckt wurden, sondern auch manche der anderssprachigen Bevölkerung - der Ungaren und Rumäner; siehe die positive Auswirkung auf den Diakon Coresi, der zur gleichen Zeit in Kronstadt zum Wegbereiter der heutigen rumänischer Schriftsprache wurde.
In der Honterus-Druckerei wurden Schul- und Lehrbücher, bürgerliche Rechtsordnungen und kirchli-che Grundsatzschriften - vom Kleinen Catechismus, über Notenhefte bis hin zum bekannten Reformationsbüchlein - verfaßt und herausgegeben.

Der Sprachforscher, Wissenschaftler und Gelehrter - Als guter Kenner des klassischen Altertums, des Mittelalters und auch der aufbrechenden Neuzeit - der Renaisance, förderte Honterus die gelehrten Sprachen - Grie-chisch Latein - stellte deren Grundregeln und Grammatiken zusammen. In seiner bekannten "Rudimenta Kosmographiae" - die "Grundzüge der Weltbeschreibung" (1541/42), erläuterte er ausführlich in drei Büchern - Astronomia, Europa, Außereuropäische Erdteile - zuerst in Prosa, später in 1366 Hexameter Versen mit Kartenanhang, die Länder, Städte, Völker, Gewässer, Berge und Gebirge der Welt. Über hervorragende naturwissent-schaftliche Kenntnisse verfügend, gibt Honterus wertvolle Hinweise zu der Tierwelt und den Pflanzengattungen, die Benützung der letzteren als Heil-pflanzen, wie auch eine Reihe von medizinischen Begriffen mit Krankhei-tenbeschreibung, von denen teilweise heute noch Gebrauch gemacht wird. Der Kunstgestalter, Geograph und Kartenzeichner - Schon in seiner Baseler Aufenthaltzeit wurde Honterus als Meister der Bildschnitzereikunst bezeichnet; diese Fähigkeit fand ihre volle Auswertung in der Geographie und Kartographie. Besonders hervorzuheben sind:

a.) die mitteleuropäische Karte "Germania",
b.) die südeuropäische Karte "Dacia" und
c.) die sie-benbürgische Karte "Chorographia Transylvaniae".

Zu vermerken wären noch die künstlerisch gut gestalteten Titelblätter, Zierleisten und Schlußvignetten aller seiner handschriftlichen wie auch gedruckten Ausgaben. Zu dieser Zeitperiode gehören auch die Wappenentwurfe als Druckzeichen (1539/1548), aus denen später das auch heute noch gültige Kronstädter Wahrzeichen - die Krone über einer Baumwurzel - entstanden ist.

Der Politiker, Theologe und Reformator - Auf Grund seines persönlichen Ansehens und umfassenden Bildung in verantwortliche Ämter in Kronstadt angehoben, nahm Honterus aktive Stellung zu zeitgemäßen, politischen Angelegenheiten aus seiner Heimat - was auch zur Folge hatte, daß er zwangshalber Kronstadt für eine gewiße Zeit verlassen und in der Verbannung leben mußte.
Beflügelt vom europäischen Aufbruchsgeist, schon lange vor seiner Berufung zum Stadtpfarrer von Kronstadt, entfaltete Honterus eine gewaltige theologische Tätigkeit in Richtung einer grundlegenden Erneuerung und Verbesserung der Kirchenstruktur, welche schließlich ih-ren Höhepunkt in der Verfassung des berühmten "Reformationsbüchlein" - 1543 - fand, wo unter anderem das Messeritual, die Taufe, das Abendmahl, sowie auch der einheimische Volkssprachengebrauch, neubewertet wurden.
Die große Bedeutung der Reformation für unsere kleine Volksgemeinschaft ist in dreifacher Hinsicht hervorzuheben:

a.) die Durchführung gelang, trotz Vorhandensein andersgläubigen und -sprachigen Ethnien (Ungaren und Rumäner),
b.) die Annahme und Verbreitung, trotz eines gewissen Eigenwiderstandes; siehe sein energisches Motivationsschreiben - die "Apologie"- und
c.) die grundsätzliche Anerkennung von Martin Luther, durch seine schriftliche Befürwortung der siebenbürgisch-sächsischen Kirchenreformation.

Eine Legende besagt - Honterus ist nunmal eine von unseren Legendengestalten - sein effektiver Wirkunksbereich wäre so groß gewesen, wie die Anzahl der Buchstaben im griechischen Alphabet und diese sind allemal vierundzwanzig. Doch im alltäglichen Leben werden meistens nur desen Anfang- und Schlußbuchstaben - Alpha und Omega - genannt, bzw. die des Humanisten und Reformators.

Johannes Honterus starb im Alter von 51 Jahren und wurde mit allen bürgerlichen und kirchlichen Ehren, am 23. Januar 1549 in seiner Heimatstadt Kronstadt beigesetzt.
Das Lebenswerk des Johannes Honterus, im geschichtlichen Rückblick erfaßt und in das heutige Computerzeitalter übertragen, könnte man folgendermaßen definieren:

a.) von einem relativ kleinen Zeitraum ausge-hend,
b.) ein verhältnismäßig großes Wirkumsspektrum verwirklicht und
c.) dieses - vervielfältigt - auf die ganze Umwelt ausgestrahlt.

Die Richtigkeit dieser Allegorie findet die volle Bestätigung - gleich mehrfach belegt - im Standbild des Denkmals aus Kronstadt.
Erstens - das Denkmal neben der Schwarzen Kirche verbildlicht Honterus in der Pfarrerrobe, mit einem aufgeschlagegnen Buch in der einen Hand, als Sinnbild und Macht des geschriebenen Wortes.
Zweitens - mit erhobenen rechten Hand symbolisch wegweißend, daß die wahre Gestaltung des Menschen nur durch die Schule und seine Bildung vollzogen werden kann.
Drittens - wie klein auch der Mensch zu sein vermag, im Verleich zur großen Welt - siehe das Verhältnis zwischen dem Denkmal und der Schwarzen Kirche - so kann dennoch sein Schaffen, seine Wilens- und Geisteskraft, diese nicht nur umfassen, sondern sogar weit überflügeln.

In diesem Sinne sind wir Siebenbürger Sachsen - und nicht nur wir - über Jahrhunderte hinaus, Johannes Honterus zum Dank verpflichtet, welchen wir auch den folgenden Generationen übermitteln sollten - zur ewigen Ehrung unseres einmaligen Humanisten und Reformators.
Zum Abschluß, als Geleitspruch zum 500-jährigen Geburtstagjubiläum, gebührt es sich die - heute ihm zukommende - Würdigung, in seiner geliebten lateinischen Sprache auszusprechen:

"Ave Corona Transylvanensis, in majorem Honteri gloriam", oder auf Deutsch:
"Gegrüßt sei die Krone (Kron-stadt) aus Siebenbürgen, zum größten Ruhme von Honterus".

P.S. Auf Grund vorliegenden Archivdokumente besuchte Johannes Honterus mindestens zweimal Nußbach, nämlich 1536 bei der Volkszählung, wie auch zwischen dem 27.02. und 2.03.1547 bei einem Kirchengang. (Archivar Gernot Nussbächer)

OttoWalter Roth, Tuttlingen

Gedanken über die Gründung von Nußbach vor etwa 785 Jahren

Im Jahre 1211 rief der ungarische König Andreas der Zweite die "Kreuzträger vom Spital der heiligen Maria", den sogenannten "Deutschen Ritterorden" ins Burzenland. Sie sollten es besiedeln und gegen die heidnischen Kumanen verteidigen. Die Ritter brachten deutsche Kolonisten mit, gründeten Dörfer für diese Siedler und erbauten Burgen.
Wahrscheinlich kamen einige Siedler auch aus schon früher von Deutschen besiedelten Teilen Siebenbürgens. Da sich die Ritter aber von der königlichen Macht befreien und einen eigenen Staat, unter der Oberhoheit des Papstes errichten wollten, wurden sie schon 1225 mit Waffengewalt vom ungarischen König aus dem Burzenland vertrieben. Sie zogen sich nach Preußen zurück, wo sie eine zweite Marienburg errichteten.
Jedoch die von ihnen angelegten Befestigungen und Siedlungen mit ihren Bewohnern blieben bestehen und entwickelten sich weiter.

Über die Zeit oder über das Jahr in welchem Nußbach seinen Ursprung genommen hat, besitzen wir keine schriftlichen Nachrichten. Selbst wenn es welche gegeben haben sollte, so sind diese im Laufe der von Kriegen, Pest, Feuer- und Hungersnöten erfüllten Jahrhunderten verloren gegangen. Wir könne es aber als sicher annehmen, daß es irgendwann zwischen den Jahren 1211-1225 durch die Ritter des deutschen Ordens geschah, als diese für 14 Jahre im Burzenland weilten und dabei im heutigen Marienburg ihren Hauptsitz aufgeschlagen hatten.
Bis zur Berufung des Ritterordens war das Burzenland eine unbewohnte "Wüstung" und der Alt die äußerste Grenze Ungarns. Es gab bloß einige szekler Kriegssiedlungen zum Schutz dieser Grenze sowie der wenigen Heerstraßen, die durch diese Gebiete führten. Ein solcher Weg ging über Geist (Apata) - Nußbach - Marienburg - Brenndorf - Honigberg -Tartlau in Richtung Bozauer (Buzau) Paß. Der große Rest des gesamten Burzenlandes war dagegen ungangbar gemacht worden. Dieses geschah dadurch, daß man in den Urwäldern, die damals diesen Landstrich bedeckten, ein dichtes und dornenreiches Unterholz wachsen ließ.
Oft wurde dieses auch noch so verflochten, daß an ein Durchkommen nicht zu denken war. Durch ganze Reihen gefällter Bäume wurden künstliche undurchdringbare Verhaue angelegt. Oft wurden die fließenden Gewässer aufgestaut, um das Umland versumpfen zu lassen und somit unpassierbar zu machen.
Sicher ist das auch mit dem Alt gemacht worden - und die niedrig gelegenen Flußauen um Nußbach - mit seinen zahlreichen Windungen und flachen Ufern. Bis der Feind diese Hindernisse in mühevoller Arbeit beseitigte und überwand, blieb den Bewohnern Zeit sich zu sammeln, vorzubereiten und ihre Verteidigung zu organisieren, um den Eindringlingen gewappnet entgegentreten zu können. Siedler waren in den Gebieten der "Wüstungen" nicht geduldet. Wurde die Grenze dann weiter nach außen verschoben, schuf man davor eine neue "Wüstung" und die alte, aufgelassene konnte jetzt zur Besiedlung freigegeben werden. Die Sümpfe wurden von den neu ankommenden Siedlern trocken gelegt und sie schufen in harter Arbeit Rodungen für die Dorfbauten und den Ackerbau.
So ähnlich könnte es sich auch um das Jahr 1200 bei uns zugetragen haben. Damals schob Ungarn seine Grenzen und Wüstungen vom Altfluß zum Karpatenbogen vor. Somit war die Burzenländer Wüstung überflüssig ge-worden, und das Land - wie es in der Urkunde heißt - "deserta et inhabitata", d. h. wüst und unbewohnt und konnte besiedelt werden.
Mit dieser Aufgabe wurde der Deutsche Ritterorden betraut und 1211 in diesen Landesteil berufen.

In den folgenden Zeilen möchte ich nun der Frage nachgehen, was wohl bei der Wahl des Standortes für die Geimeinde Nußbach wichtig gewesen sein könnte, und warum gerade hier und nicht weiter flußaufwärts oder flußabwärts der Grundstein für eine neue Siedlung gelegt worden war.
Nußbach liegt am linken Ufer des Altes, kurz bevor dieser das Burzenland verläßt, an einer sanft ins Alttal abfallenden Berglehne am Ausgang eines Seitentales vom Geisterwald. Es liegt zu beiden Seiten eines kleinen Baches, der sich am Dorfende in den Alt ergießt, aber doch so weit vom Fluß entfernt und auch hoch genug, um nicht unter den Folgen der zahlreichen Überschwemmungen zu leiden - ausgenommen ein Teil der Kronstädter Gasse, die aber wahrscheinlich erst in späteren Jahren dahingehend erwei-tert worden ist. Bei Nußbach treffen die Ausläufer des Perschaner Höhenzuges und die der Baraolter Berge aufeinander und werden nur durch den Alt voneinander getrennt, der sich hier seinen engen Abfluß aus dem Burzenland durch diese Berge hindurch geschaffen hat und wo an beiden Ufern wenig ebener Raum bleibt.
Dieser Engpass bei Nußbach war eine ideale Stelle um einen Verteidigungspunkt anzulegen und so ungebetene Gäste am Betreten der Burzenebene zu hindern. Zu beachten ist, daß es in der damaligen Zeit die Straßen durch den Geisterwald, vorbei am Weißen Brunnen, über den Bogater Sattel nach Reps und Schäßburg noch nicht gab. Sie wurden erst Jahrhunderte später erbaut.
Den Weg über den Krebsbacher Paß (Crizbav), an der Heldenburg vorbei, gab es zwar, aber der war steil, schwierig und daher beschwerlich. So war die Heeresstraße am Alt entlang die einzige natürliche Verbindungsmöglichkeit des nördlichen Burzenlandes mit dem inneren Teil Siebenbürgens und für die damalige Zeit ein äußerst wichtiger strategischer Punkt.
Geht man davon aus, daß Geist (Apata) und Blumenau (Belin) auch vom Ritterorden angelegte deutsche Siedlungen waren - die aber früh aufgegeben und von Ungarn bezogen wurden - so war dieses Engtal hier bestens für eine Verteidigung gegen eindringende Völkerschaft gerüstet und Nußbach eine wichtige Anlage, sozusagen ein Vorwerk des Hauptsitzes Marienburg und somit auch das nördliche Tor zum Burzenland.
Ob es in dieser Zone auch noch weitere Verteidigungsanlagen gegeben hat, wissen wir nicht. Jedoch läßt der Flurname "Cosper-Burg" (eine ins Alttal vorspringende Bergnase bei Nußbach, zu Rothbach gelegen) darauf schließen.

Wenn wir uns die Karte des Burzenlandes aufmerksam ansehen, so können wir feststellen, daß sich seine Siedlungen gruppenweise um 3 strategisch wichtige Mittelpunkte anordnen, und zwar um Marienburg, Rosenau und Tartlau. Zur Marienburger Gruppe gehört Nußbach.
Die älteste, uns bekannte Urkunde, die von Nußbach spricht datiert vom 19. November 1377. Darin wird die Zugehörigkeit der Burzenländer Gemeinden zu Kronstadt bestätigt, und da wird unter den Ortschaften des "Mergenburger Stuhles" an zweiter Stelle "villa Nucum" der lateinische Namen für Nußbach, angeführt.
Weil es vor dem näher an Marienburg liegenden Rothbach erwähnt wird, kommt Gernot Nußbächer zum Schluß, daß Nußbach vor Rothbach gegründet sein könnte.

Auffallend bei der Anlage der Burgen und Ortschaften im Burzenland durch den Deutschen Ritterorden ist die immer wieder feststellbare Entfernung von 11 Kilometern. Von Kronstadt bis zur Rosenauer Burg sind es 11 Kilometer. Ebenso von da bis zur Schwarzburg bei Zeiden. Von dort bis zur Heldenburg messen wir 22 Kilometer. Man vermutet heute, daß auf halber Strecke - etwa beim heutigen Vladeni - auch eine Befestigungsanlage gestanden haben könnte.
Die Entfernung Heldenburg - Marienburg beträgt ebenfalls 11 Kilometer. 11 Kilometer von Marienburg wurde wiederum eine neue Ortschaft angelegt, die - wie damals üblich - einen lateinischen Namen erhielt, "villa Nucum" - das spätere Nußbach. Übrigens, 11 Kilometer sind es auch von Nußbach bis zur Heldenburg. Man glaubt heute, daß diese 11 Kilometer eine Entfernung waren, in der Rauch- oder Feuersignale noch erkennbar sind und wo eine zeitgerechte Warnung oder gegenseitige Hilfe und Unterstützung möglich war.
In der fruchtbaren Altebene besitzt Nußbach - zum Unterschied zu den anderen Burzenländer Gemeinden - nur wenig Ackerland, und auch dieses ist durch die jährlich stattfindenden Überschwemmungen gefährdet. Nußbachs Fluren, Äcker, Felder , Wiesen und Weiden ziehen sich mühsam an Berglehnen entlang, kriechen über Bergrücken und erstrecken sich tief in kleine, enge Seitentäler hinein und schaffen so schwerste Arbeitsbedingungen für Menschen und Arbeitstiere. Auch für Obst- oder Weinbau eignet sich der Hattert von Nußbach wenig.

Das Klima ist rauh, der Boden nicht besonders fruchtbar, oft lehmig oder steinig und daher nicht ertragreich. So werden es wohl kaum Überlegungen wirtschaftlicher oder ökonomischer Art gewesen sein, die Nußbach gerade an dieser Stelle entstehen gelassen haben.

Natürlich kann es auch noch andere Gedanken, Vermutungen und Überlegungen zu diesem Thema geben, vielleicht finden sich doch noch Urkunden oder Hinweise, die das Dunkel, das die Gründung von Nußbach umgibt, aufklärend erhellen. Aber alles bisher Aufgezählte legt die Vermutung nahe und läßt die Schlußfolgerung zu, daß diese Gemeinde nicht aus wirtschaftlichen, sondern eher aus verteidigungstechnischen und militärischen Gesichtspunkten gerade an diesem Standort angelegt worden ist, wo sie auch heute noch liegt.
Wer am Alt entlang ziehen wollte, war gezwungen an dieser Dorf- und sicher auch Befestigungsanlage vorbeizukommen, da es keinerlei Umgehungs- oder Ausweichmöglichkeiten gab. Das war wohl, glaubt man heute, ausschlaggebend für die Wahl der Grundsteinlegung von Nußbach an dieser Stelle vor fast 800 Jahren.

Quellen:
1. Aus Urkunden und Chroniken - von Gernot Nußbächer
2. Geschichte der Siebenbürger Sachsen - von Ernst Wagner
3. Das Burzenland - Herausgegeben von E. Jekelius 1928

Christian Zelgy, Großhabersdorf

Familiennachrichten

Taufen in Nußbach:

Bianca Elena, Eltern: Ute und Constantin Grindean-Tartler

In Nußbach wurde konfirmiert:

Monika Erdey

In Nußbach sind verstorben:

Andreas Barthelmie, Nr. 252 (193), 87 Jahre
Martha Paula Franz, Nr. 4 (4), 83 Jahre
Martha Jobi, Nr. 269 (210), 67 Jahre
Klara Lukacs, Nr. 309 (244), 66 Jahre
Martha Petri, Nr. 148 (120), 87 Jahre
Peter Tartler, Nr. 151 (123), 87 Jahre

In Deutschland sind verstorben:

Rosa Bolesch, Nr. 255 (196), Böblingen, 80 Jahre
Hans Ciucasel, Nr. 107 (100), Einbeck, 66 Jahre
Andreas Foof, Nr. 161 (143), Stadtallendorf, 80 Jahre
Anna-Maria Foof, Nr. 158 (143), Fürth, 72 Jahre
Katharina Foof, Nr. 253 (194), Ingolstadt, 74 Jahre
Josef Klementis, Nr. 175 (154), Landau, 68 Jahre
Michael Roth, Nr. 6 (6), Stadtallendorf, 60 Jahre
Dr. Peter Roth, Nr. 246 (188), Saarbrücken, 93 Jahre
Simon Tartler, Nr. 30 (30), Homburg/Kirrberg, 69 Jahre
Michael Thiess, Nr. 13 (13), Rülzheim, 96 Jahre

Aus Nußbach übersiedelten:

Frau Katharina Schuffert, Nr. 84 ( 76), Fürth, 1 Pers.
Fam. Johann Paulini, Nr. 127 (113), ???, 2 Pers.


Nachruf auf Altkurator Simon Tartler

Mit der Freude und dem Licht der Weihnacht im Herzen erlebten wir besinnlich und in Stille die letzten Tage des Jahres 1997. Ganz plötzlich durchquert unser Leben eine erschütternde Nachricht, und schmerzerfüllt erfahren wir vom viel zu frühen Tode unseres Freundes und Alt - Kurators Simon Tartler.
Eine stark liebende Macht riß ihn aus der Familie, aus dem Freundeskreis und aus unserer Mitte. Grund zum Denken! Denken und Danken haben dieselbe Wurzel. Es sei mir gestattet, an dieser Stelle im Namen aller Nußbächer, in Deutschland und in Nußbach lebend, zu danken, indem wir über das Leben unseres Verstorbenen nachdenken.

Wir erlebten ihn in der Familie als liebenden Ehemann, als guten und sorgenvollen Vater, Schwieger- und Großvater, als helfenden Bruder, Schwager und Onkel. Wir erlebten ihn als aufrichtigen Freund, hilfsbereiten Nachbarn, tüchtigen Fabriksarbeiter, als fleißigen und könnerischen Landwirten auf den Feldern unserer Heimat.

Wir erlebten ihn als treuen Kirchgänger, 28 Jahre als Nachbarvater und 8 Jahre als Kurator der Gemeine Nußbach, beharrlich in der Gemeinschaftsarbeit, geprägt von Geduld und Güte.
Wir erlebten ihn in Freude und in Leid, stets freundlich und mit offenem Ohr und Herz für die Belange seiner Lieben, seiner Freunde und der Gemeinde. Allen war er uns ein Vorbild, stets der Fels in der Brandung.

Charakteristisch für ihn waren Fleiß, Freundschaft, Liebe zu seinen Nächsten, Aufrichtigkeit, Ehrfurcht und Treue zu Gott, typische Eigenschaften eines Siebenbürger Sachsen.
Woher aber kamen diese Tugenden? Von wo nahm er die Kraft, seine Familie zu versorgen und jahrzehntelang seiner Heimatgemeinde zu dienen? Ich denke, es war die Not und das harte Leben der Nachkriegszeit, der frühe Tod des Vaters, die Tränen der Mutter, die ihn lehrten, die Hände zu falten, Gott anzurufen und zu vertrauen. Ich denke, es war die Liebe Gottes, die ihn stärkte, und dieselbe starke Liebe riß ihn jetzt aus unserer Mitte.

Wir danken in dieser Abschiedsstunde, daß wir diesen Simon Tartler kennen und erleben durften, denn auch diese schwere Stunde kommt von Gott. Anerkennend und hochachtungsvoll danken wir der Familie, die ihn freigab und bereit war, mit uns zu teilen.
Wir bitten den lieben Gott, Euch die Kraft und die Stärke zu geben, den großen Schmerz zu überwinden.

Mit dir, lieber Simonkel tragen wir heute ein Stück Heimat zu Grabe. Wir wünschen dir die ewige Ruhe. Dein nun ruhendes Herz fällt nicht tiefer als in die offene Hand Gottes.

Ich danke für die Anteilnahme am heutigen Tage, die zeigt, daß sein Einsatz und seine Bemühungen, die Gemeinschaft zusammenzuhalten, nicht vergebens waren.
Wir Nußbächer können als Gemeinschaft auftreten, auch wenn wir in der Zerstreuung leben. Im Namen der trauenden Familie und allen Nußbächern danken wir Herrn Pfarrer Bechert für den letzten Dienst an unserem Verstorbenen sowie für die gesprochenen Trostworte.

Ich schließe mit den Worten von Eduard Mörike, aus dem Gedicht "Das neue Jahr":

"Du Vater, du rate!
Lenke du und wende!
Herr, dir in die Hände
Sei alles gelegt!"

Kirrberg, den 05.01.1998 (Harald Zelgy)



Zum Verzeichnis