Liebe Nußbächerinnen, liebe Nußbächer !

Heute soll es ein Grußwort werden, an alle die dieses Blatt lesen, in Deutschland wie auch in unserer alten Heimat Nußbach. Ich begrüße die Alten und die Jungen, Euch ALLE, auch diejenigen die am Pfingstsamstag den 22.Mai 1999, im Gasthof "Zur Bretzge" in Baldingen, beim 7. Nußbächer Treffen nicht anwesend waren. Für viele von uns war es ein letztes großes Ereignis in diesem Jahrhundert, das Wiedersehen, die Begrüßung der Nachbarn, der Freundin, des Freundes oder die Begegnung des Landsmannes. Einfach schön fand ich es, uns wieder als Gemeinde zu treffen.

Es war aber auch der Tag, wo ein Generationswechsel im Vorstand der HOG Nußbach stattfand, der Tag an dem sich unser Nachbarvater Johann Roth, nach langjähriger Tätigkeit als Nachbarvater, verabschiedete. Ein herzliches Dankeschön sei Euch, lieber Hans und Erika gesagt, für Eu-ren Einsatz und all die Mühe für diese gemeinsame Sache.

Dieser 22. Mai 1999 war wieder ein Meilenstein in meinem Leben. Gegen den Willen meiner Familie habe ich das Ehrenamt des Nachbarvaters angenommen. Ich erkannte die Notsituation und werte meine Entscheidung als Beitrag zum Erhalt unserer Gemeinschaft. Ich danke für Euer Vertrauen.

Mit dem Punkt "Erhalt der Gemeinschaft" spreche ich "ALLE" an, vor allem aber die junge Generation, die vorwiegend in Deutschland lebt, aber auch diejenigen die in Nußbach verblieben sind. Wir müssen stets bedacht sein, dass unser Tun und Wirken eine Bereicherung für die nachfolgende Generation sei. Ich denke die Zeit ist reif, dass wir unser Wissen und Erinnerungen zu Papiere bringen und in einer kleinen Chronik festhalten.

Des weiteren wäre es wichtig, anhand der ausgestellten Ahnenpässe, die Familiendaten zu erfassen und ein zeitgerechtes Familienbuch zu erstellen. Somit leisten wir auch einen Beitrag zur Ahnenforschung, einem Anliegen des Arbeitskreises für Siebenbürgische Landeskunde in Gundelsheim. Dazu brauchen wir aber Eure Daten!

Der Integrationsprozeß der Siebenbürger Sachsen in Deutschland schreitet der Endphase zu. Immer neue Sparmaßnahmen der Bundesregierung müssen verkraftet werden, sei es das Rentengesetz, die Kürzungen bei der Förderung des Kulturgutes oder die neuen Auflagen zur Einwanderung. Der Rückgang der Mittel verpflichtet uns zu neuen Opfern, vor allem aber finanziellen, wenn wir unser Kulturgut erhalten wollen. Dies ist eine Gemeinsamkeit die wir haben, ob in Nußbach oder in Deutschland lebend. Es bleibt jedem einzelnen überlassen, wie er sich in Zukunft zu dieser Gemeinschaft verhält.

Ich bitte Euch höflichst diese Richtpunkte in der Familie, im Freundeskreis durchzusprechen und den Vorstand unserer Gemeinschaft mit entsprechenden Daten zu unterstützen.

Das Jahr geht zur Neige. Wir blicken zurück auf arbeitsreiche Tage, auf frohe Stunden die wir in der Familie, im Freundeskreis oder in der Natur erlebten. Die Schicksalsschläge, die erschütternden Stunden des Leidens, der Trauer und der Besinnung waren aber auch Teil unseres Lebens.

Mit dem Beginn eines neuen Jahres verbinden sich viele Hoffnungen, Zukunftspläne, Träume und Wünsche, aber auch Ängste und Sorgen. Was wird es uns wohl bescheren? Gutes oder Böses ? Freude oder Trauer ? Gesundheit oder Krankheit ? Bleibt mein Arbeitsplatz bestehen? Diese oder ähnliche, mit voller Berechtigung, gestellte Fragen beschäftigen jeden einzelnen unter uns.

Ich wünsche ALLEN Nußbächern ein frohes Weihnachtsfest und Gottes Vertrauen für das Jahr 2000 !

Nachbarvater Harald Zelgy

Danksagung an Johann Roth
(anläßlich der Amtsabgabe)

Lieber Hans

Nach 14-jähriger erfolgreichen Tätigkeit als Nachbarvater, legst Du nun dieses Amt auf eigenen Wunsch nieder. Das gibt Grund zum Danken und Zurückblicken. Ich möchte an dieser Stelle im Namen aller Nußbächer - in Deutschland und in der alten Heimat lebend - ein Dankeschön an Dich richten.

Du warst es, der am Pfingstsonntag 1986 vor der Gedenkstätte der Siebenbürger Sachsen in Dinkelsbühl, im Beisein von ein paar Leuten, das Amt des Nachbarvaters annahmst. Somit riefst Du damals eigentlich die HOG Nußbach ins Leben. Du warst stets bemüht, die Gemeinschaft der hier lebenden Nußbächer zusammenzuhalten. Dadurch können wir - auch hier in der Zerstreuung - als geschlossene Nachbarschaft auftreten, nicht um irgend jemandem zu imponieren, sondern ganz einfach alle zwei Jahre ein paar schöne Stunden miteinander zu verbringen, so wie einst in Nußbach.

Durch die zunehmende Zahl der Mitglieder wurde auch die Erweiterung des Vorstandes nötig. Kurz ein paar Zahlen: beim 1. Nußbächer Treffen 1987 waren wir 40 Personen anwesend, 1989 waren es schon 90, 1991 - 150, 1993 - 240 und 1995 kamen die Organisatoren richtig ins Schwitzen, als anstatt der angemeldeten 220 Personen, 280 Landsleute angereist waren. Heute sind es auch wieder über 260.

Dir, lieber Hans, verdanken wir diese Zusammenkünfte - die uns allen stets schöne, erholsame und sorgenfreie Tage bescherten. Weiterhin warst Du immer bemüht die Kontakte zu Nußbach aufrecht zu erhalten und zu pflegen, den dort noch lebenden Landsleuten mit Hilfen zur Seite zu stehen.

Die Friedhofspflege in der alten Heimat lag Dir dabei besonders am Herzen. Natürlich warst Du bei Deinen Vorgehen auf die Spenden aller angewiesen. Heute danken wir Dir für alles was Du für uns Nußbächer getan hast.

Wenn ich nun in diese Runde blicke, weiß ich das Dein Einsatz und Deine Bemühungen - die Gemeinschaft zusammenzuhalten - nicht vergebens waren. Wir danken auch Deiner Familie, die Verständnis für diese ehrenamtliche Tätigkeit hatte und Dir immer beigestanden ist. Wir hoffen, daß Du uns auch weiterhin mit Rat und Tat zur Seite stehst - als Altnachbarvater und Ehrenvorsitzender der HOG Nußbach - und Deine Tugenden, typische Eigenschaften eines Siebenbürger Sachsen, zum Wohle unserer Gemeinschaft einsetzt.

Was können wir Dir noch in der jetzigen Stunde wünschen - mir persön-lich erschienen die erste beiden Strophen aus dem Gedicht "Ich wünsche Dir Zeit" von Elli Michler passend:

"Ich wünsche dir nicht alle möglichen Gaben.
Ich wünsche dir nur, was die meisten nicht haben:
Ich wünsche dir Zeit, dich zu freu'n und zu lachen.
Und wenn du sie nützt, kannst du etwas draus machen.

Ich wünsche dir Zeit für dein Tun und dein Denken,
nicht nur für dich selbst, sondern auch zum Verschenken.
Ich wünsche dir Zeit, nicht zum Hasten und Rennen,
sondern die Zeit zum Zufriedensein können."

Allen Anwesenden zum heutigen Treffen wünsche ich schöne Stunden, in denen wir uns nicht nur an die gemeinsam verbrachte, prägende Zeit in Nußbach erinnern, sondern auch nur einfach fröhlich, nachdenklich und heiter besinnlich einander zuhören.

Emmi Schmidts, Kandel

Unsere Turmuhr feiert ihren 70. Geburtstag

Die Nußbächer Turmuhr nach welcher die meisten von uns jahraus, jahrein ihre Zeit eingeteilt haben, und die den Rhythmus des täglichen Lebens in Nußbach entscheidend mitbestimmt hat, wird heuer 70 Jahre alt.

Um die Jahresmitte 1929 beschloß das Presbyterium die Aufstellung der neuen Turmuhr wie aus den nachfolgenden - im Originaltext - wiederge-gebenen Verhandlungsberichten ersichtlich ist:

VI. Verhandlungsbericht
über die am 11. Juni 1929 abgehaltene Presbyterialsitzung.

Vorsitzer: Georg Baku, Pfarrer
Schriftführer: Georg Tartler, Rektor

Anwesende:

1.Friedrich Foof 62, Kurator; 2. Andreas Schmidt 4; 3. Johann Foof 11; 4. Michael Leonhardt sen. 19; 5. Georg Tartler 68; 6. Georg Schuster 84; 7. Martin Kaiser Seimes 94; 8. Georg Michaelis 141; 9. Martin Cloos 198; 10. Johann Lienerth 208; 11. Johann Tartler 263; 12. Georg Franz 23; Abwesend: 13. Johann Foof 64;

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29. Gegenstand - Z. 212/1929. Aufstellung einer Turmuhr.

Vorsitzer teilt mit, daß die Aufstellung der neuen Turmuhr unmittelbar bevorstehe und ersucht das Presbyterium, die in diesem Zusammenhange nötig erscheinenden Beschluß zu fassen.

1. Das Presbyterium beschließt, die Aufstellung der vom hiesigen Vorschußverein bestellte Turmuhr zu gestatten.
2. Den von der hiesigen politischen Gemeinde für die Turmuhr gespendeten Unterstützungsbetrag von 50.000 Lei zur teilweisen Bestreitung der Kosten dem hiesigen Vorschußverein, sobald von der politischen Gemeinde ausbezahlt wird, zu überweisen.
3. Die Kirchenväter werden beauftragt bei dieser Gelegenheit den Turm in und auswendig zu besichtigen und notwendig erscheinende Reparaturen, die nicht übermäßige hohe Kosten verursachen sollen, vornehmen zu lassen.

IX. Verhandlungsbericht

über die am 21. Juli 1929 abgehaltene Presbyterialsitzung.

Vorsitzer: Georg Baku, Pfarrer
Schriftführer: Georg Tartler, Rektor

Anwesende: 1.Johann Foof 11; 2. Michael Leonhardt, Predigerlehrer i.R. 19; 3. Fried-rich Foof 62, Kurator; 4. Johann Foof 64; 5. Georg Tartler 68; 6. Georg Schuster 84; 7. Martin Kaiser Seimes 94; 8. Georg Michaelis 141; 9. Jo-hann Lienerth 208;

Abwesende:

10. Andreas Schmidt 4; 11. Georg Franz 23; 12. Martin Cloos 198; 13. Joahann Tartler 263.

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45. Gegenstand Pfrz. ( = Pfarrzahl) 274/1929. Besorgung ( = Pflege) der Turmuhr.

Vorsitzer bringt zur Sparche die Notwendigkeit, für die neue Turmuhr einen Besorger anzustellen. Johann Barthelmie 199, welcher von dem Liefe-ranten der Turmuhr, Müller aus Kronstadt, warm empfohlen wird, hat er-klärt die Besorgung der Turmuhr um eine jährliche Entlohnung von 1.400 Lei übernehmen zu wollen.
Das Presbyterium beschließt, dem Johann Barthelmie die Besorgung der Turmuhr vorläufig auf ein Jahr zu übertragen und bestimmt als Lohn für die Besorgung monatlich 100 Lei.

I. Verhandlungsbericht

über die am 28. Juli 1929 in der Schule abgehaltene Gemeindevertretungs-sitzung.

Vorsitzer: Georg Baku, Pfarrer
Schriftführer: Georg Tartler, Rektor

Anwesende:

A. Aus dem Prebyterium:
1.Johann Foof 11; 2. Michael Leonhardt sen. 19; 3. Georg Franz 23; 4. Friedrich Foof 62, Kurator; 5. Johann Tartler 64; 6. Georg Tartler 68, Kir-chenvater; 7. Martin Kaiser Seimes 94; 8. Georg Michaelis 141; 9. Martin Cloos 198, Kirchenvater; 10. Johann Tartler 263;

B. Aus der Gemeindevertretung:
1.Johann Tobie 10; 2. Johann Roth 12; 3. Michael Thieß 14; 4. Johann Hubbes 17; 5. Michael Leonhardt jun. 19; 6. Georg Bolesch 25; 7. Michael Bolesch 25; 8. Johann Tartler 26; Georg Eberle 54; 10. Georg Seimes 66; 11. Georg Foof 69; 12. Georg Schneider 90; 13. Andreas Franz 97; 14. Michael Kaiser 150; 15. Johann Schenker 165; 16. Georg Foof 172; 17. Johann Franz jun. 178; 18. Johann Petri sen. 180; 19. Georg Wagner jun. 184; 20. Andreas Barthelmie 187; 21. Michael Bolesch 188; 22. Johann Barthelmie 199; 23. Michael Thieß 201; 24. Michael Jobi 203; 25. Peter Cloos 204; 26. Johann Jobi 205; 27. Georg Bolesch 260; 28. Johann Petri 55;

Abwesend:
a.) aus dem Presbyterium 3 Mitglieder.
b.) Aus der Gemeindevertretung 20 Mitglieder;

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Pfrz. 1-1929 Mitteilung:

Vorsitzer findet es nötig, von einem wichtigen Ereignis in unserer Gemeinde Mitteilung zu machen, das zwar allen Gemeindegliedern bekannt ist, aber seiner doch nicht mit Stillschweigen übergangen werden kann:

Von der Aufstellung einer neuen Turmuhr auf unserem Turm. Die Gemeinde war mehrere Jahre ohne Turmuhr, und hat deren Fehlen schmerzlich empfunden.
Nun ist es einträchtigem Zusammenwirken aller Gemeindeglieder: der Nachbarschaften, des Vorschußvereins, der Kirchlichen Vertretung, auch mit Hilfe einer Unterstützung von der politischen Gemeinde, gelungen, ein neuzeitliches Uhrwerk zu beschaffen und aufzustellen. Es ist damit ein kräftiger Antrieb zur Pünktlichkeit und sparsamen Verwendung der Zeit in unserer Gemeinde gekommen. Vorsitzer wünscht, daß der Segen aus diesem Antrieb in der Gemeinde zu voller Ent-faltung kommen möge.

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Georg Foof, Nußbach (Juli 1999)

P.S. Vom Ehepaar Sofia und Georg Foof erhielten wir - mit den Familiendaten - noch folgende Nachricht:

- Im Frühjahr wurde, mit großer Beteiligung der Gemeindeglieder, der Anschluß des Friedhofs an das öffentliche Wasserleitungsnetz geschafft, welches eine große Erleichterung bei der Friedhofspflege ist. Der Friedhof wurde auch in diesem Jahr gewissenhaft von Fam. Georg und Katharina Schuffert gepflegt.

- Das Presbyterium dankt im Namen der Kirchengemeinde für die alljärliche Unterstützung seitens der HOG Nußbach.


Weihnachtliches Nußbach

Ein Tannenbaum mit roten kleinen Äpfel, mit ganz vielen Honigplätzchen - Sternchen, Herzchen, Kleeblätter... Ja, und die Nüsse - unzählige Nüsse hingen auf jedem Ast! Ein Bäumchen im Stübchen - geschmückt aus der Fülle der großmütterlichen Seele.

Es gab keine Weihnacht in meiner Kindheit, die ich nicht in Nußbach verbracht hätte. Und, als ich sie dann in Klausenburg verbrachte, war alles anders: Ich war älter geworden und schmückte den großen Weihnachtsbaum selbst.

In Nußbach aber, wahrlich ich sage euch, da gab es das Christkind! Ihr könnt es mir wirklich glauben: Es wurde nicht müde, jedes Jahr zu kommen und ein Bäumchen zu schmücken. Immer ein Bäumchen, keinen Baum! Und stellt euch vor: Das Christkind verschwand nicht, nein, nein es blieb und wartete geduldig, bis wir aus dem Weihnachtsgottesdienst kamen: mein ernster Großvater, meine elegante Mutter und ich mit der Riesentüte voller Plätzchen, Nüsse, Äpfel und dem traditionellen bunt bemalten Weihnachtsstern unterm Arm. Jedes Kind bekam ein Päckchen, nachdem es artig sein Gedicht aufgesagt hatte. Und ich gehörte auch zu den artigen Kindern. Nur ein einziges Mal mußte ich von den Kinderbänken zu den Bänken der Erwachsenen huschen, um meine Mutter ganz leise zu fragen:

"Du, Mutti, wie fängt mein Gedicht an? Ich habe es vergessen." - Sie flüsterte mir dann die erste Zeile zu und schon wußte ich, wie's weiterging. Ich trug es gewiß mit kindlichem Ernst vor, so wie ich alles, was in der großen Nußbächer Kirche geschah, recht ernst nahm.

Nußbachs festliche Zeiten erfüllten mich stets mit Tief- und auch mit Frohsinn. Und wenn wir dann aus der Kirche kamen, da lag immer Schnee - tiefer Schnee - auf dem Kirchhang, den wir hinunterstapfen mußten, um zu unse-rem Haus zu gelangen. Es befand sich leider viel zu nahe, gleich am Fuße des Hanges, neben dem Bach, dem Nußbach:

Man hätte noch lange, lange gehen mögen, um die winterliche Landschaft und die weihnachtliche Vorfreude zu genießen. Doch wir waren recht bald in unserem Heim. Schon aus dem Hof sahen wir das Bäumchen im warmen Stübchen, in Kerzenschein gehüllt. Sonst glitzerte und funkelte nichts als der Schnee. Drinnen roch es nach Plätzchen, Bratäpfel und Holz. Und siehe da, plötzlich stand das Christkind vor uns im Schein der vielen Kerzen: meine Großmutter. Wie gut, daß wir doch keinen Spaziergang durch die winterliche Landschaft gemacht hatten.

Das emsige Christkind wartete schon so sehnsüchtig auf uns drei: meinen Großvater, den Geschichtenerzähler, meine Mutter, die Flötespielerin und mich, die leidenschaftliche Äpfel- und Plätzchenesserin.

Ein Weihnachtslied - das liebste Lied meiner Mutter "Es ist ein Roß entsprungen" - stimmte mein Großvater an und wir sangen alle mit, meine Mutter begleitete uns manchmal auf ihrer Flöte. Dann erzählte uns mein Großvater eine Geschichte:
Es waren nicht immer erfundene Geschichten oder gar Märchen, er erzählte sehr oft von Ereignissen, die ganz Nußbach, Land und Leute betrafen. Wie gut er beobachten konnte, mein Großvater mit seinen verschmitzten Augen!

Ja, die Geschenke ... Ich kann mich an die Geschenke gar nicht mehr erinnern: Natürlich bekam ich wohl mal ein Kinderbuch, mal ein Spielzeug, mal eine Schokolade aus Deutschland...
Sie verblaßten jedoch im Laufe der Jahre, nicht aber die Winterabende, die Sommerabende, die Wintertage, die Sommertage und all das, was in meinem "Nussa" geschah:
Denn all das war das Geschenk, das große, an das ich mich erinnere. Immer wieder, immer tiefer - in Tag- und Nachtträumen!

Ingeborg Szöllösi, München


Gedanken und Worte zum Millennium-Jahreswechsel

Alle Jahre wieder kommt ... der Jahreswechsel, doch dieser - 1999/2000 - ist etwas Besonderes. Er ist der "Millennium-Jahreswechsel" - und für uns allenfalls, die ihn erleben, ein einmaliges Ereignis. Er ist der letzte Jahres-wechsel in diesem Jahrzehnt, der letzte in diesem Jahrhundert - ja sogar der letzte in diesem Jahrtausend.
Dieser Jahreswechsel ist der große AUGENBLICK bei dem die neuzeitliche Weltgeschichte für einen Moment den Atem anhält und wo das "Gewesene" mit dem "Kommenden" sich die Hände reichen. Er ist der einmalige große "Augenblick", den das Leben aus den vielen alltäglichen für uns heraushebt, würdigt und zum Nachdenken anleitet. Er ist der erhabene "Augenblick", den so viele Dichter, so viele Völker - prachtvoll ausgedrückt - besungen und verewigt haben.

Schon im Altertum wußten die Menschen den "Augenblick" hoch einzuschätzen - der römische Dichter Horaz sagte es mit seinem unmißverständlichen und immer gültigen Spruch:
"Carpe diem", zu deutsch: "Pflücke (Nütze) den Tag".
Es ist heute nicht nur eine Binsenweisheit, sondern auch ein christliches Bekenntnis, daß ein Tag dem anderen folgt, ein Augenblick sich dem anderen anreiht - genauso als wenn ein Tropfen Leben nach dem anderen aus der Ewigkeit, bzw. aus Gotteshand, auf uns herunter fließt. In diesem Sinne sagt es auch unser Landsmann und Volksdichter A. Bauschert so gut zutreffend:

"Jeder Tag in meinem Leben, jede Stunde, alle Zeit,
ist Geschenk von Gott gegeben und ein Schritt zur Ewigkeit".

Nun aber, ehe wir den Augenblick - den Tag oder das HEUTE würdigen, noch schnell einen kurzen Rückblick auf das Vergangene, oder das GESTERN - gültig auch für uns als Siebenbürger Sachsen:

Stichwort - das ablaufende Jahrtausend: es war der mühsame Weg der Menschheit aus dem dunklen Mittelalter in das erleuchtete, neue und moderne Zeitalter. Es war der steile Weg des menschlichen Geistes - des Homo sapiens - von der Handschrift, über das gedruckte Wort, bis hin zur heutigen elektronischen Datenverarbeitung. Für uns Siebenbürger Sachsen war es der lange, schwere Weg der Ansiedlung und der Bewährung unserer Kultur im Karpatenbogen - es war der Beginn einer fast ein Jahrtausend langen Zeitspanne unserer eigenen Geschichte im Rahmen der europäischen Völkergemeinschaft.

Stichwort - das scheidende Jahrhundert: es war die grausamste Zeitepoche der Weltgeschichte, verursacht durch die zwei verheerende Weltkriege, mit den über 60 Millionen zu beklagenden Menschenopfer - es war aber gleichzeitig die größte, spektakulärste - noch nie dagewesene - technische Entwicklungsperiode, vom Stummfilm bis zur Multimedia-Informatik, vom einfachen Kraftfahrzeug bis zur fantastischen Weltraumfahrt und der Mondlandung. Für uns Siebenbürger Sachsen war es eine der tragischsten Schicksalsetappen unserer Geschichte, angefangen mit dem Privilegienverlust, über die grausame Rußlanddeportation, bis hin zur Aussiedlung aus der alten Heimat.

Stichwort - das letzte Jahrzehnt: die Welt und vor allem Europa atmete auf; die kommunistische Gewaltherrschaft ging zu Ende. Für die Siebenbürger Sachsen war es der Höhepunkt des Massenexodus in Richtung Deutschland.

Der Vollkommenheit wegen und sozusagen dem "Scheidenden" die letzte Ehre zu erweisen, ist es angebracht das eben zur Neige gehende Jahr 1999 auch noch ein ganz wenig in Erinnerung zu bringen.. Man muß bekennen, für kein anderes Jahr wurden so viele und so fürchterliche Prophezeiungen gemacht wie für 1999 - von der Bibel angefangen, vom mittelalterlichen Nostradamus bis zu den heutigen Astrologen. Das Fazit von all diesem war, wie wir es jüngst erlebt haben, eine lange Serie von Lawinen-, Hochwasser- und Brandkatastrofen. Nicht zu vergessen das große Erdbeben in der Türkei mit tausenden von Toten und Verletzten, oder die periodisch wiederkehrende Sonnenfinsternis vom 11. August 1999. Gott sei Dank, kein Kometenabsturz, kein dritter Weltkrieg und schon gar kein Weltuntergang oder Apokalypse.

Aus diesem guten Grunde und weil 1999 gleichzeitig das 250. Goethe Jubiläumsjahr war, sollten wir uns des großen deutschen Dichters Worte besinnen. Er macht uns deutlich - in seinem "Eigentum" Kurzvers - daß wir in unserem alltäglichen Hasten und Streben nach irdischem Wohlhaben, Geld und Gütern, nur das "Geistige" und den "Augenblick" besitzen:

"Ich weiß, daß mir nichts angehört
als der GEDANKE, der ungestört
aus meiner Seele will fließen,
und jeder günstige AUGENBLICK
den mich ein liebendes Geschick
von Grund aus läßt genießen".

Bevor wir unser kleines Gedenken zu Ehren des Millennium-Jahreswechsels abschließen, ist es ratsam und erforderlich einen Augenblick auch auf das MORGEN oder auf das "AUF-UNS-ZUKOMMENDE" zu werfen.
Abgesehen davon ob wir damit das kommende Jahr 2000, das nächste Jahrhundert oder sogar das anlaufende Jahrtausend meinen - unsere Hoffnungen und Erwartungen gehen sicherlich immer in Richtung einer langen Lebenserwartung in bester Gesundheit, einer besseren sozialen Gerechtigkeit, wie auch einer möglichst kriegsfreien und friedlichen Zukunft. Das dieses nicht leicht und einfach sein wird, hat uns die Vergangenheit und die Weltgeschichte mehr als genügend bewiesen.

Unsere größten Befürchtungen werden wohl die folgende drei - heute schon erkennbare - Hauptprobleme sein:

a). die bedrohliche und sehr folgenreiche Umweltverschmutzung, mit der steigenden Verarmung und vom Aussterben bedrohten Tier- und Pflanzenarten, einschließlich der Wälder - der grünen Lunge der Erde.

b). der explosivartige und unkontrollierte Weltbevölkerungszuwachs von heute schon über 6 Milliarden, und

c). der fortschreitende Mangel an Grundnahrungsmittel, einschließlich der Süßwasservorräten, bzw. deren regionalen Fehlverteilung auf Erden.

Zum bevorstehenden Millenniumswechsel, wie auch als Schlußfolgerung zu unserer kurzen und poetischen Gedankenreise, mit dem Rückblick auf das GESTERN, Einblick in das HEUTE und dem Ausblick auf das MORGEN, steht uns wieder mal als gutes Beispiel ein Dichter zur Seite. Diesmal ist es einer der größten Lyriker unserer alten Heimat, M. Eminescu - mit seinen wunderschönen Zeilen:

"Das MORGEN mehrt die Tage dir,
das GESTERN kürzte ihr Gewicht,
und dennoch stehet immerfort
das HEUTE dir im Angesicht.

Vom flüchtig eitlen AUGENBLICK
Kann ich die Welt nun gut verstehn:
ER stützt die ganze Ewigkeit
Und hilft das große Weltall drehn".

Otto-Walter Roth, Tuttlingen


Das 7. Nußbächer HOG Treffen

Am Pfingstsamstag, dem 22.Mai 1999, fand das 7. Heimattreffen der Nuß-bächer HOG im Lokal "ZUR BRETZGE" in Baldigen, bei Nördlingen, statt.
Bei schönem Sonnenwetter kamen wieder über 260 Personen aus ganz Deutschland zusammen - von 210 die sich im voraus angemeldet hatten. Sehr gut vertreten war die junge Generation, so daß auch Hoffnung besteht diese Tradition noch ein paar Jahre weiterzuführen.

Wichtigster Punkt der Tagesordnung war die Wahl des neuen Vorstandes. Auf zwei Tischen wurde eine kleine Ausstellung von Dokumenten und alte Bilder über Nußbach gezeigt. Georg Franz hatte eine gelungene Machete des Kirchenturms mitgebracht.

Die Leitung durch das offizielle Programm übernahm Schriftführer Georg Teutsch, der allen Beteiligten einen angenehmen Tag wünschte und zugleich einige wichtige Informationen - unsere HOG betreffend - zur Kenntnis brachte.

Es folgte die Ansprache und der Kassenbericht unseres Nachbarvaters Johann Roth, der am Ende seines Vortrages den endgültigen Rücktritt aus seinem bisherigen Amt bekannt gab. Nach 14 erfolgreichen Jahren wurde Johann Roth - der Gründer unserer HOG - anschließend feierlich verabschiedet. Die Laudationen hielten Stellvertreterin Emmi Schmidts, sowie Mathias Bolesch Senior, seitens der älteren Generation.
Für seine ehrenamtliche Tätigkeit als Nachbarvater und Organisator der Nußbächer Heimattreffen wurde Johann Roth mit den beiden Bildbänder "Siebenbürgen im Pflug" und "Das Burzenland" beschenkt. Bei Ehefrau Erika bedankte sich die HOG mit einem schönen Blumenstrauß.

Nachdem Mathias Bolesch Senior dem Vorstand für die geleistete Arbeit der letzten Jahre dankte, folgten die Neuwahlen. Mit den Anmeldungen zum Treffen waren auch zahlreiche Vorschläge für das Amt des neuen Nachbarvaters eingetroffen. Bei 80% dieser Vorschläge kam immer wieder der gleiche Name zum Vorschein - der des ehemaligen Kirchenkurators von Nußbach Harald Zelgy, Jahrgang 1954. Mit ihm wurde seitens des Vorstandes, im Vorfeld dieses Treffens Kontakt aufgenommen. Nach längerer Bedenkzeit hatte er sich bereit erklärt zur Wahl anzutreten. Harald hatte die Notsituation erkannt und dafür sind wir ihm dankbar. Georg Teutsch machte den Vorschlag und Harald Zelgy wurde ohne Gegenstimmen zum neuen Nachbarvater der HOG Nußbach, für die nächsten 4 Jahre, gewählt.
Seine Stellvertreter sind Emmi Schmidts und Klaus Foof. Georg Teutsch wurde ebenfalls - als Schriftführer und Herausgeber des Heimatblattes - in seinem Amt bestätigt.

Johann Roth steht uns auch weiterhin als Ehrenvorsitzender und Altnachbarvater mit Rat und Tat zur Seite. Zudem wird er noch bis Ende des Jahres unsere Kasse betreuen, die anschließend von Emmi Schmidts übernommen wird.

Mit dem Nußbächer Heimatlied endete dieser Teil der Veranstaltung und die Kandler Band, unter der Leitung unseres Nachbarn Günter Schmidts, spielte anschließend - bis spät in die Nacht - zum Tanz auf.

Es war wieder, so wie in den Jahren zuvor, ein gelungenes Treffen und auch diesmal konnte man die Freude des Wiedersehens von den Gesichtern der Anwesenden ablesen. Es gab auch Kritik, von einzelnen Personen, wegen den Wartezeiten bei der Essenausgabe. Wir müssen aber bedenken das über 50 Personen unangemeldet erschienen sind und der Wirt mit derartigem Andrang sehr selten konfrontiert wird. Er muß sein Personal schon Wochen im voraus einplanen. Deshalb nochmals unsere Bitte, in Zukunft rechtzeitig anmelden - wir möchten nicht, wie bei den anderen Gemeinden üblich, zu Türkontrollen übergehen und Leute am Eingang warten lassen bis alle angemeldeten Personen im Saal Platz genommen haben.



Am Sonntag fanden sich doch noch 10 Landsleute in siebenbürgischer Tracht zusammen, die mit dem Ortsschild von Nußbach beim traditionellen Umzug von Dinkelsbühl mitmachten. Auch an dieser Stelle einen herzlichen Dank an unseren Lehrer i.R. Christian Zelgy, der seine ganze Familie - mit groß und klein - für dieses Ereignis mobilisiert hatte.

Der Vorstand


... endlich wieder zu Hause

17. Oktober 1999. Vom wolkenlosen tiefblauen Himmel strahlt die Sonne in ihrer ganzen Pracht. Es ist einer der seltenen "goldenen" Oktobertage. Wir fahren durch Mittelfranken, unserer neuen Heimat. Das besinnliche Landschaftsbild lädt zum Nachdenken ein. So wandern meine Gedanken zurück in die Vergangenheit, zu einem andern Oktober, zum Oktober des Jahres 1949. 50 Jahre - ein halbes Jahrhundert - sind seitdem vergangen.

Da sehe ich mich, zusammen mit vielen andern Leidensgenossen , in Reih und Glied angetreten im Hof des Lagers von Nikanor neben Makejevska stehen und der Lagerkommandant spricht zu uns. Er teilt uns mit, daß die Zeit unserer Aufbauarbeit - lies aber Verschleppung oder Zwangsarbeit - zu Ende gegangen sei, und daß wir bald in die Heimat entlassen würden.

Also wurde nun doch endlich wahr, was als Gerücht schon jahrelang durch die Lager kreiste "skoro damoi", zu deutsch " es geht bald heimwärts".
Großzügigerweise würde uns Rußland vorher jedoch noch unser in 5 Jahren angespartes Urlaubsgeld auszahlen, da wir ja in all diesen Jahren keinen einzigen Tag Urlaub bekommen hatten. Als ich das vielgepriesene Geld dann endlich in meinen Händen hielt, reichte es gerade für ein Kopftuch, als "Mitbringsel" aus Rußland für meine Mutter.



Lager Nikanor (Sommer 1949); von oben:
Tartler (Glöckner) Martha, Klein Rosa, Olesch (Zelgy) Traute, Kraus (Klein) Tilli, Petri (Foof) Anna, Schuster (Cloos) Katharina, Tartler (Foof) Katharina, Tartler (Roth) Susanna, Barthelmie (Streitfert) Anna, Barthelmie (Preidt) Martha, Schneider (Tontsch) Emmi, Bolesch (Buhn) Martha, Cloos Martin, Tartler (Kußmann) Anna, Bolesch (Bolters) Martha, Klein (Barti) Luise, Cloos (Tobie) Katharina



Im Vordergrund jedoch stand das Bewußtsein, die Freude und das Glück, daß wir nun unsere Freiheit zurückbekämen und nach Hause fahren durften. Schwer fiel uns nur der Abschied von den Gräbern derer, denen es nicht mehr vergönnt war, die Heimat wieder zu sehen, Freundinnen und Leidensgenossen, das Grab meines Vetters. Sie blieben jetzt für immer allein und fern der Heimat in der fremden Erde zurück. Wo diese Gräber wohl liegen ? Wer weiß das noch ?! - Oft kennzeichnete nicht einmal ein Grabhügel ihre letzte Ruhestätte. Doch wir bewahren ihnen allen bis heute in unseren Herzen ein ehrenvolles Gedenken.


An einem der nächsten Tage mußten wir wieder einmal - wie schon unzählige Male vorher - im Lagerhof antreten. Dieses mal jedoch mit unserem ganzen Gepäck. Wir wurden namentlich aufgerufen und mußten dann auf einen Militärlaster klettern, der uns zu einem nahe gelegenen Bahnhof brachte, wo wir in Viehwaggons "verladen" wurden. Nach endlosem Warten begann dann die tagelange Heimfahrt.

Die Ausreise bei unserer Verschleppung im Januar 1945 erfolgte über Iasi. Im Oktober`49 kamen wir über Nordsiebenbürgen nach Rumänien zurück. In Sighetu Marmatiei angekommen wurden wir vom rumänischen Militär übernommen. Wieder mußten wir offene Militärlaster besteigen, die uns bei strahlendem Sonnenschein durch die herbstlich buntgeschmückten prächtigen Karpathenwälder über Baia Mare nach Klausenburg brachten. Die Bevölkerung der Landstriche, durch die wir fuhren, waren gerade bei der Obsternte. Es war als ob auch sie sich über unsere Heimkehr freuten. So mancher Korb mit köstlichem Obst wurde uns heraufgereicht.

In Klausenburg angekommen wurden wir in einer Kaserne untergebracht, wo wir einige Nächte auf dem nackten Boden schliefen, das heißt so lange bis wir registriert wurden, einen provisorischen Ausweis erhielten und die Fahrkarten für die Heimreise ausgehändigt bekamen. Da die Behörden aber durch den massenhaften und plötzlichen Andrang so vieler Heimkehrer beim Ausstellen und Ausfüllen der Formulare überfordert waren, appellierten sie an die "Schriftkundigen" unter uns, ihnen doch "freiwillig" bei ihrer Arbeit zu helfen. Unter diesen Helfern war auch ich. - Einmal waren aber dann auch meine Papiere fertig, und ich im Besitz dieser wichtigen Dokumente. So konnte die Heimreise angetreten werden.

Zusammen mit einigen andern aus dem Burzenland marschierten wir zum Klausenburger Bahnhof. Dort wartete jedoch schon eine riesige Menschenmenge auf einen Zug, der nach Kronstadt oder Bukarest fahren würde. Damals gab es laut Fahrplan zwar täglich einen Zug in diese Richtung, was aber nicht hieß, daß er auch tatsächlich fuhr. So kam es, daß sich am Bahnhof die Reisenden stauten. Da es uns aussichtslos schien, angesichts dieser Tatsachen in den Zug zu kommen, sprachen wir beim damaligen Bahnhofsvorsteher vor und baten ihn, für uns doch einfach einen Viehwaggon an den Personenzug anzukoppeln, der uns bis Kronstadt bringen könnte. Der offenherzige Mann, der sicher Mitleid und ein Verstehen für unsere Lage hatte bewilligte es. Wir bestiegen also wieder einmal einen Viehwaggon - zum letzten Mal in meinem Leben - und nach unendlich langer Wartezeit setzte sich dann der Zug endlich in Bewegung und die letzte Etappe der Heimreise begann.

So kamen wir - eine Gruppe von etwa 40 Burzenländern - singend und überglücklich unserer Heimat immer näher. Dann waren wir auch schon in Mediasch....dann in Schäßburg. Die ersten sächsischen Heimatlaute drangen an unsere Ohren.Wir sind in der Heimat angelangt. Wir konnten es kaum glauben. Dann hält der Zug in Reps, dann in Racos. Mein Puls beschleunigt sich. - Schon bleibt Augustin und Ormenis hinter uns. - Ich fühlte meinen Pulsschlag im ganzen Körper. - Apata (Geist) - ich meinte, das Herz müßte mir im Leibe zerspringen, - nun bremst auch schon der Zug. Endlich, endlich bleibt er stehen. Ich springe ab - man reicht mir mein Gepäck herunter. Der Zug fährt weiter. Ich bleibe mutterseelenallein in der schwarzen Nacht zurück. Der Zug war lang, unser Viehwaggon der letzte, so stieg ich weit außerhalb des Bahnhofs ab. Ich tappte und stolperte über die holprigen Steine und Schwellen der Gleisanlage laut rufend dem Bahnhofsgebäude zu und dann, ja dann konnte ich endlich nach 5-jähriger Trennung meine lieben Eltern wieder in die Arme schließen. Es flossen Tränen der Wiedersehensfreude. Ich war...."endlich wieder zu Hause".

Ja, seht, dieses waren die Gedanken zu dem 50-jährigen, dem goldenen Jubiläum meiner Heimkehr aus der Verschleppung nach Rußland, die mich bei dieser Fahrt durch das mittelfränkische Hochland bewegten.

Traute Zelgy, Großhabersdorf

Familiennachrichten

Taufen in Nußbach:
Keine

In Nußbach wurden konfirmiert:

Hans Negrea
Rolf Schasser

In Nußbach sind verstorben:

Anna Barthelmie, Nr. 252 (193) 72 Jahre
Hans Buhn, Nr. 136 ( 95) 73 Jahre
Susanna Kreusel, Nr. 163 (148) 83 Jahre
Katharina Schuster, Nr. 95 ( 87) 97 Jahre
Johann Tartler, Nr. 328 (263) 80 Jahre

In Deutschland sind verstorben:

Katharina Barthelmie, Nr. 15 ( 15), Großkarolinenfeld 76 Jahre
Michael Bolesch, Nr. 255 (196), Böblingen, 89 Jahre
Hans Stamm, Nr. 106 ( 99), Gera 68 Jahre
Johann Schneider, Nr. 98 ( 90), Kothen 76 Jahre
Dorothea Szentpali, Nr. 25 ( 25), Berlin 18 Jahre
Hans Tartler, Nr. 184 ( 163), Berlin 65 Jahre
Georg Thiess, Nr. 240 ( 182), Berlin 75 Jahre
Johann Tobie, Nr. 162 ( 147), Lünen 71 Jahre
Emma Tontsch, Nr. 98 ( 90), Waldkraiburg 72 Jahre

Aus Nußbach übersiedelten:

Frau Silvia Man (geb. Türk), Nr. 8 ( 8), ??? 1 Pers.
Frau Rosa Foof, Nr. 95 ( 87), ??? 1 Pers.



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